Basiswissen | 29.01.2003 | Drucken | Teilen

Basiswissen

Welches Fernrohr ist mein Typ?

Bevor Sie zur Tat schreiten und sich ein Fernrohr kaufen – überlegen Sie, welches Ihre Beobachtungsvorlieben sind. Denn nicht jedes Gerät ist für Sie geeignet!

Die funkelnden Sterne am Nachthimmel locken Sie schon länger, und nun wollen Sie den Sprung wagen und sich ein Teleskop zulegen? Herzlichen Glückwunsch! Diese Entscheidung ist für sich schon ein großer Schritt. Aber welcher ist der nächste? Spontaner Kaufrausch ist sicher nicht angesagt, denn ein Teleskop kauft man ganz anders als einen Fernseher – und leider ist das Personal der großen Kaufhäuser nur selten mit den Ansprüchen eines Amateurastronomen vertraut.

Um das Wichtigste vorwegzunehmen: Meiden Sie das wackelige, 600-fach vergrößernde Kaufhausteleskop, mit dem Sie vielleicht geliebäugelt haben. Ein gutes Fernrohr hat zwei wesentliche Kennzeichen: eine qualitativ hochwertige Optik und eine stabile Montierung, die sich ruckelfrei bewegen lässt. Vielleicht denken Sie, Sie bräuchten ein großes Teleskop. Achten Sie aber darauf, dass es transportabel und einfach zu handhaben ist. Ihr erstes Fernrohr sollte so leicht sein, dass Sie es allein nach draußen tragen und dort bequem auf- und wieder abbauen können. Doch welches Fernrohr ist das richtige für Sie? Nicht jeder Teleskoptyp und nicht jede Montierung sind für Ihre persönlichen Anforderungen geeignet.

Das Herzstück eines Teleskops

Die Hauptaufgabe eines jeden Teleskops liegt darin, unseren Augen mehr Licht von entfernten Himmelsobjekten zu liefern, als es unsere Pupillen allein leisten können. Außerdem sollen sie vergrößern, solange dadurch mehr Details sichtbar werden und das Bild nicht nur einfach unscharf wird. Linsenteleskope (Refraktoren), Spiegelteleskope (Reflektoren) und Misch- oder Compound-Teleskope (katadioptrische Systeme) erfüllen diese Zwecke alle auf ihre eigene Weise. Und jedes dieser Systeme hat seine Vor- und Nachteile.

Die Grundprinzipien der Strahlenoptik sind bei allen Fernrohrtypen gleich. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Öffnung ("Apertur") des Teleskops: Darunter versteht man den Durchmesser der Linse oder des Spiegels, der das Licht sammelt. Diese Linse oder dieser Spiegel werden oft als das Objektiv des Teleskops bezeichnet.

Die Öffnung ist ausschlaggebend dafür, wie viele Details Sie sehen können. Schafft Ihr Fernrohr eine 50-fache Vergrößerung, so können Sie die vier großen Jupitermonde, die Ringe des Saturns und auch ein paar Einzelheiten der hellen Sternhaufen, Nebel und Galaxien erkennen. Um aber Oberflächenstrukturen auf dem Mars auszumachen oder die Partner eines engen Doppelsterns noch getrennt erkennen zu können, benötigt man mindestens eine 150-fache Vergrößerung. Je nach optischer Qualität und Beobachtungsbedingungen können Sie pro Zentimeter Apertur eine Vergrößerung von 8-fach (mittelmäßige Optik) bis 30-fach (hervorragende Optik) veranschlagen.

Die Öffnung bestimmt auch, wie lichtschwach die Objekte sein dürfen, die Sie mit Ihrem Instrument gerade noch sehen können. Zum Beispiel schaffen Sie mit einem 11-Zentimeter-Teleskop (4½ Zoll) ein paar Dutzend Galaxien. Einige davon sind mehr als 50 Millionen Lichtjahre entfernt. Keine schlechte Leistung für ein Fernrohr, das man unter den Arm klemmen und in einem Flugzeug mitnehmen kann.

Bezeichnet man die Öffnung als die wichtigste Eigenschaft eines Fernrohrs, so folgt die Brennweite des Objektivs gleich dahinter. Haben wir zwei Teleskope mit gleicher Öffnung D, aber verschiedener Brennweite f, so wird das mit der längeren Brennweite bessere Ergebnisse bei hoher Vergrößerung ergeben. (D/f), also die Apertur des Teleskops geteilt durch seine Brennweite, nennt man übrigens Öffnungsverhältnis. Ein Grund dafür ist: "Schnelle" Objektive – das sind solche mit großem Öffnungsverhältnis – liefern weniger scharfe Bilder, es sei denn, man gibt ein Vermögen für hochwertige Optik aus. Bei kleineren Öffnungsverhältnissen liefert die Optik dagegen mehr Details in der Bildebene. Dann können Sie auch Okulare mit längeren Brennweiten benutzen. Diese sind wegen ihrer größeren Okularlinsen einfacher zu handhaben, besonders für Brillenträger.

Sollten Sie sich also einfach das größte und längste Teleskop kaufen, das Sie sich leisten können? Nun, eine große Brennweite ist nur dann von Vorteil, wenn Sie hauptsächlich an Objekten wie dem Mond, den Planeten und Doppelsternen interessiert sind. Und große Objektive sind ein Traum, wenn Sie viele entfernte Galaxien sehen wollen. Wenn Sie aber zum Beispiel große Gebiete der Milchstraße zusammenhängend sehen oder ausgedehnte Vorzeigeobjekte wie die Plejaden einstellen wollen, dann brauchen Sie ein kleines, kurzes Teleskop.

"Warum denn das?", werden Sie jetzt fragen. Weil Sie mit einer langen Brennweite nur kleine Himmelsausschnitte auf einmal sehen können. Mit Standardokularen – das sind solche, deren Hülsendurchmesser 3,2 Zentimeter (1¼ Zoll) beträgt – zeigt sich bei einer Brennweite von 50 Zentimetern ein drei Grad großes Gesichtsfeld im Okular. Das ist genug für die drei Gürtelsterne des Sternbilds Orion. Im Gegensatz dazu kann man mit 200 Zentimeter Brennweite gerade noch einen der Gürtelsterne allein oder den berühmten Orionnebel M42 ins Blickfeld nehmen.

"Aber was, wenn ich von jedem etwas will?" Keine Sorge. Es gibt viele akzeptable Kompromisse. Zahlreiche Astronomen entscheiden sich für ein 15-Zentimeter-Linsenfernrohr (6 Zoll) als idealen Alleskönner. Seien Sie sich aber bewusst, dass man auch bei diesem Durchmesser eine Abwägung zwischen großem Blickfeld (Öffnungsverhältnisse um f/5) und hochauflösenden Geräten (optimal bei f/8 und kleiner) treffen muss. Letztere sind durch ihre größere Brennweite länger und schwerer, so dass man eine stärkere Montierung braucht.

© Sterne und Weltraum

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