"Gut gemacht! Prima!" Lobende Worte gehören zu einer guten Erziehung. Sie spornen Kinder an, sich neuen Herausforderungen zu stellen, und machen sie mächtig stolz. Doch falsch dosiertes oder falsch formuliertes Lob kann auch verunsichern und verängstigen. Viele Eltern fragen sich deshalb: Wie lobe ich richtig?

1. Loben Sie Leistungen, keine Eigenschaften!

Gut gemeinte Sätze wie "Du bist ja ein sehr begabter Maler" oder "Wie schlau du bist!" können Kinder leicht demotivieren. Der Grund: Sie bekommen den Eindruck, Eigenschaften wie künstlerisches Talent oder Intelligenz seien festgelegt und unveränderlich. Die Kleinen fürchten, das positive Bild von ihnen nicht bestätigen zu können. Folglich konzentrieren sie sich daher lieber auf Aufgaben, die sie in der Vergangenheit bereits bewältigt haben. Besser also konkrete Taten würdigen und Leistungen betonen, die das Kind durch Anstrengung verändern kann – etwa so: "Die Blumenblätter hast du sehr schön ausgemalt" oder "Bei dieser Matheaufgabe hast du dir wirklich Mühe gegeben".

Zu diesem Ergebnis kam unter anderem eine Studie der Psychologin Eva Pomerantz von der University of Illinois aus dem Jahr 2013. Zusammen mit ihrer Kollegin Sarah Kempner fragte sie zehn Tage hintereinander 110 Mütter von Kindern zwischen acht und zwölf Jahren, ob und wie sie ihr Kind am vergangenen Tag gelobt hatten. Kinder, deren Mütter vor allem Eigenschaften betonten, waren ein halbes Jahr später weniger offen für neue Erfahrungen und betrachteten Intelligenz eher als feststehend als diejenigen, die Lob meist für ihre konkreten Handlungen bekamen.

Dieses Ergebnis bestätigten 2014 der Psychologe Eddie Brummelman von der Universität Utrecht und sein Team. Die Forscher zeigten, dass Kinder sich für ihre Fehler eher schämen, wenn sie zuvor vor allem für ihre Wesenszüge gelobt wurden. Besonders verunsichert wurden diejenigen mit ohnehin schon geringem Selbstbewusstsein.

2. Dosieren Sie Ihr Lob!

Je öfter Sie ein Kind loben, desto besser? Falsch! Sobald anerkennende Worte zur Dauerberieselung werden, nehmen die Kleinen diese nicht mehr wahr. Versuchen Sie also, Lob sparsam und gezielt einzusetzen und möglichst abwechslungsreich zu formulieren. So merkt das Kind, dass Sie sich wirklich mit seiner Leistung beschäftigt haben.

3. Loben Sie immer ehrlich und realistisch!

Unsere Sprösslinge haben feine Sensoren für übertriebene oder offensichtlich manipulative Anerkennung und fragen sich, was die Erwachsenen damit bezwecken: Lobeshymnen wie "Wow! Das ist ja ein unglaublich schöner Baum, den du da gemalt hast" könnten tröstend gemeint sein, weil die Großen ein Kind für sein fehlendes Talent bemitleiden. Aussagen wie "Super, wie du mir heute beim Ausräumen der Geschirrspülmaschine geholfen hast" könnten bedeuten, dass die Erwachsenen diesen Einsatz ab jetzt häufiger erwarten. Auf diese Weise führt Lob bei Kindern zu Unsicherheit und Trotz. Deshalb sollten Sie nur die Leistungen des Kindes würdigen, die es selbst auch für lobenswert hält.

4. Loben Sie dem Alter entsprechend!

Kinder im Grundschulalter reagieren anders auf Lob und Kritik als Teenager oder Erwachsene, so das Ergebnis einer Studie der Universität Leiden in den Niederlanden von 2008. Ein Team um Eveline Crone ließ 50 Probanden unterschiedlichen Alters einschätzen, ob Symbolreihen nach Form oder Farbe sortiert waren. Nach jeder Antwort erfuhren die Teilnehmer, ob sie richtig- oder falschlagen. Gleichzeitig wurde ihre Hirnaktivität mittels funktioneller Magnetresonanztomografie sichtbar gemacht.

Kinder zwischen acht und neun Jahren lernten am wenigsten von negativen Rückmeldungen. Nach lobenden Worten verbesserte sich jedoch ihre Leistung. Ältere Kinder im Alter von 11 bis 13 profitierten von jeder Art Feedback, während die Erwachsenen offenbar stark daran interessiert waren, ihre Fehler auszumerzen – sie spornte Kritik am meisten an. Die Unterschiede waren auch an der Aktivität des dorsolateralen präfrontalen Kortex ablesbar, der unter anderem unsere Handlungen überwacht.

5. Loben Sie selbstbewusste Kinder anders als unsichere!

Starke Persönlichkeiten können großes Lob besser annehmen als Kinder mit geringem Selbstwertgefühl. Das fand das Utrechter Team um Eddie Brummelman in einer weiteren Studie heraus. Die Wissenschaftler ließen einen fiktiven Künstler die Werke von 240 Teilnehmern eines Malkurses zwischen acht und zwölf Jahren bewerten. Der vermeintliche Experte lobte die Kinder entweder in normalem Tonfall ("Du hast ein schönes Bild gemalt") oder schwärmerisch ("Du hast ein unglaublich schönes Bild gemalt"). Außerdem erfassten die Forscher das Selbstbewusstsein der Nachwuchskünstler.

Es zeigte sich, dass selbstsichere Kinder nach einem euphorischen Urteil eher dazu neigten, neue und schwerere Bilder zu malen als unsichere Kinder. Diese gingen nach großartigem Lob weiteren Herausforderungen lieber aus dem Weg.

Lob kann auch verunsichern
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6. Vermeiden Sie vergleichendes Lob!

"Wow, du kannst ja viel höher Trampolin springen als dein großer Bruder." Statt das Selbstbewusstsein zu stärken, fördert dieses Lob den Wettbewerb zwischen zwei Kindern. Der gute Trampolinspringer wird zukünftig weiter versuchen, den Bruder zu übertrumpfen – schließlich wird er mit Anerkennung belohnt. Und der Große fühlt sich vom Ehrgeiz des Jüngeren unter Druck gesetzt. Beide Kinder macht vergleichendes Lob zu schlechten Verlierern. Besser: das Können des Einzelnen hervorheben!

7. Loben Sie den Lösungsweg, nicht nur das Ergebnis!

Das hohe Lego-Haus stürzt plötzlich ein, die Mathearbeit fällt nur mittelmäßig aus, oder die eigene Sportmannschaft wird im entscheidenden Spiel doch noch geschlagen: Solche Fehlschläge entmutigen. Betonen Sie daher immer wieder die Anstrengung und das Durchhaltevermögen, das das Kind aufgebracht hat – also zum Beispiel die vielen Stunden des Bauens, Lernens oder Trainierens: "Du hast dir wirklich Mühe gegeben. Das ist prima." Dann beginnen auch enttäuschte Kinder den Weg zum Ziel mit neuem Mut.