Rezension | 16.05.2013 | Drucken | Teilen

Futtern wie bei Vögeln

Millionen Menschen füttern bereits Vögel im Winter und erfreuen sich an Meisen, Spatzen, Grünfinken, einem gelegentlichen Kleiber oder sogar nordischen Gästen wie Bergfinken. Doch damit entgeht ihnen ein Teil des Vergnügens – denn auch im restlichen Jahr kann man den Piepmätzen und sich selbst etwas Gutes tun. Das zeigt Richard Schönes Buch "Am Futterhaus". Das schön und ausführlich bebilderte Buch gibt Tipps und verrät Tricks, wie man biologisch richtig auch im Frühling, Sommer und Herbst Vögel versorgen kann und so seinen Garten ökologisch aufwertet (oder zumindest noch mehr Leben auf seinen Balkon bringen kann).

Alles beginnt natürlich mit der Wahl des am besten geeigneten Futterhauses, und folgerichtig startet auch Schöne mit diesem Thema. Nicht jeder Futterplatz passt überall hin; zudem sind Vögel durchaus wählerisch, woher sie ihr Futter beziehen und welche Plätze sie meiden. Offene Häuschen, in denen die Körner verstreut am Boden liegen, locken demnach zwar bunte Vogelscharen an, verschmutzen aber sehr leicht und müssen regelmäßig gereinigt werden. Ansonsten drohen Krankheitsausbrüche. Futtersäulen wiederum, aus denen die Saaten kotfrei gepickt werden können, haben viele Vorteile, schrecken jedoch wiederum einige Arten wie Buchfink oder Goldammer ab. Auch Weichfutterfresser bleiben fern, denn ihre bevorzugte Nahrung kann nicht eingefüllt werden: Sie verklumpt an den Austrittsstellen. Sofern ausreichend Platz vorhanden ist, kann man aber natürlich alle Optionen kombinieren und so seine Artenvielfalt beträchtlich steigern.

Wer einen eigenen Garten hat, kann aber noch mehr für die Piepmätze tun und beispielsweise geeignete Bäume und Sträucher anpflanzen: Wilde Johannisbeere, Hundsrosen, Wild- und Felsenbirnen oder Weißdorn zieren den Garten mindestens ebenso wie Rhododendren oder andere Exoten; sie bieten darüberhinaus jedoch auch zahlreichen einheimischen Vögeln, Säugetieren oder Insekten Nahrung und Obdach. Sehr begrüßenswert ist daher Schönes Liste geeigeneter Pflanzenarten mit Bild und kurzer Beschreibung, die kaum einen Wunsch für den "grünen" Gärtner offen lässt.

Als nächstes Kapitel folgt der Futterplatz im Jahreslauf, denn die Artenzusammensetzung ist nie statisch: Manche Gäste wie Meisen oder Amseln darf man ganzjährig begrüßen, andere treten nur saisonal auf. Wer Glück hat, den beehren beispielsweise im Winter Zugvögel aus Skandinavien wie Bergfink, Birkenzeisig oder gar Seidenschwänze (an übrig gebliebenem Obst). Dazu kommen "Flüchtlinge" aus dem Wald wie der Gimpel. Sie verschwinden im Laufe des Frühlings und werden ersetzt durch heimkehrende Winterurlauber aus dem Süden: Nun können Grasmücken oder bestimmte Drosseln auftauchen, bevor im Sommer eine leichte Flaute auftritt, wenn sich die Tiere zur Mauser zurückziehen. Ab dem Herbst mehren sich die Gäste dann aber wieder.

Wer aber findet sich vor allem am gängigen Futterhaus des Privatnutzers ein? Das verrät das zweite Großkapitel "Vögel und ihr Futter". Schöne stellt die üblichen Arten und ein paar außergewöhnliche Besucher jeweils mit Bild und kurzer Berschreibung vor und erklärt, wer welches Futter goutiert. Auch könne man manch Nahrung im Jahresverlauf selbst sammeln, so Schöne – etwa Nüsse, Sonnenblumenkerne oder Disteln. Natürlich gehört zum Essen auch Trinken, ein Vogelbad leistet wertvolle Dienste und bereichert den Garten oder Balkon zusätzlich. Ein kleiner Gartenteich steigert die generelle Artenvielfalt noch weiter, denn er lockt Libellen, Amphibien und vielleicht sogar Ringelnattern an.

Ein Futterhaus kann zudem mehr sein als reiner Selbstzweck. Denn es bietet eine bequeme Möglichkeit das Verhalten der Tiere zu studieren, wie das dritte Kapitel erläutert – und es ist spannender als Fernsehen: Die Vögel zanken und vertragen sich, bandeln miteinander an, versorgen den Nachwuchs und müssen sich vor Feinden hüten. Blitzschnell schlägt beispielsweise der Sperber zu und erlegt immer wieder einen unachtsamen Grünfinken. Wer seine schnelle Jagd einmal erlebt hat, wird sie beindruckt nicht mehr vergessen. Neben natürlichen Feinden wie Greifvögeln gibt es aber auch noch andere Gefahren an der Futterstelle: etwa Vogelschlag an Glasfenstern, Katzen oder Krankheiten und Parasiten. Schöne gibt Ratschläge, wie man diese Risiken minimieren kann. Denn wenn Katzen das Vogelhäuschen als Schnellimbiss entdeckt haben, ist es bald aus mit den Vogelschwärmen: Sie meiden die Ecke und suchen sich Alternativen. Abschließende Kapitel werfen dann noch einen Blick auf Großfütterungen in Parks oder zum Naturschutz – etwa um Greifvögeln über harte Winter zu helfen oder Kraniche von Feldern fernzuhalten. Auch Fütterungsverbote und Beispiele für unsinnige Nahrungsversorgung erwähnt der Autor.

"Am Futterhaus" ist ein wunderbares Buch für Naturfreunde, die wissen wollen, wie sie ihre gefiederten Nachbarn anlocken und optimal versorgen wollen. Die zahlreichen guten Bilder vermitteln dazu einen Eindruck, was man dann erwarten kann. Das Buch ist also eine wirklich lohnende Anschaffung.

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