Rezension | 20.11.2012 | Drucken | Teilen

Langlebiger Gottesstaat

Der Pharaonenstaat fasziniert bis heute. Nicht zuletzt deshalb, weil er, so Toby Wilkinson, "in seiner ursprünglich konzipierten Form volle drei Jahrtausende" überdauerte. Das sagt sich so dahin, ist jedoch wirklich einzigartig: In dieser Zeit entstanden in Mesopotamien ein halbes Dutzend Reiche und zerfielen wieder, wurde in Athen die Demokratie erfunden, gelebt und wieder verloren, war Rom gegründet und zur Großmacht aufgestiegen, führte Alexander seine Truppen bis an die Grenzen der Welt, entstanden die ersten Reiche in China sowie Mittelamerika. Selbst das persische Reich der Achämeniden, das erste Weltreich der Geschichte, kam, sah, siegte – und verging.

Der Ägyptologe Toby Wilkinson von der University of Cambridge führt uns durch diese drei ägyptischen Jahrtausende, die trotz aller Brüche wie Bürgerkriege und Fremdherrschaft eine Kontinuität aufwiesen, wie wir sie von anderen Staaten und Reichen nicht kennen. Er geht dabei glücklicherweise über das Altbekannte – Götter, Pyramiden und Pharaonen – hinaus und bringt den Lesern das politische und gesellschaftliche System oder die Arbeitsbedingungen der so genannten einfachen Leute ebenso näher wie den tyrannischen Charakter der Pharaonenherrschaft, die sich meist als "Despotie in Reinform" erwies. So zeichnet Wilkinson beispielsweise nach, wie in der Frühzeit Ägyptens aus Häuptlingen Könige wurden, die bald schon für sich beanspruchten, Mittler zwischen dem Volk und den Göttern zu sein. Später im Alten Reich wurden die Pharaonen sogar den Göttern gleichgesetzt – unterstützt von einer Propagandamaschinerie, dem elitären Beamtenapparat der Schreiber.

Inhaltlich ist das Werk grandios, sprachlich mitunter aber reichlich ermüdend. Es lohnt sich jedoch, die eine oder andere stilistische Schwäche in Kauf zu nehmen – wird man doch mit einer umfassenden Geschichte des alten Ägyptens belohnt, die ihresgleichen sucht.

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