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Berg ist nicht gleich Berg

Warum stehen die Berge da, wo sie nun einmal stehen? Und wie entstehen Berge überhaupt? Diese und ähnliche Fragen werden sicher den meisten Menschen gekommen sein, wenn sie in den Bergen dieser Welt unterwegs waren. Für Florian Neukirchen, Mineraloge und Bergsteiger, war diese Frage eine Herausforderung.

Und diese hat er mit dem Buch „Bewegte Bergwelt – Gebirge und wie sie entstehen“ in bemerkenswerter Bravour gelöst. Schließlich ist Berg ja nicht gleich Berg. Da gibt es mächtige Vulkane, die scheinbar frei in der Ebene stehen, oder gewaltige Gebirge, dort wo Kontinente zusammenstießen. Und kaum ein Gebirge gleicht in seinem Aussehen dem anderen. Neukirchen nimmt seine Leser mit auf eine Reise buchstäblich bis an die Wurzeln der Welt.

Am Anfang bekommt man eine gute Einführung in den Kreislauf der Gesteine und die Grundlagen der Geologie, soweit sie eben die Entstehung der Berge betreffen. Diese einführenden Kapitel sind das Rüstzeug, das wir auf unserer weltumspannenden Tour durch die Berge dringend benötigen, auf die uns der Autor hier entführt – und am Ende hilft ein reichhaltiges Glossar, die wichtigsten Fachbegriffe zu verstehen. Wir lernen, wie ein Vulkan funktioniert, wie weiche Massen als Berge aus der Tiefe herausgepresst werden und wie Gebirge schließlich wieder vergehen.

Die Grundbegriffe der Geologie werden einem quasi unterwegs erklärt, so dass man auch ohne geologische Grundbildung leicht den Ausführungen folgen kann. Man beginnt plötzlich, die komplexen Zusammenhänge zu verstehen, welche unsere Welt geformt haben: Die Plattentektonik, die große vereinheitlichende Theorie der Geologie, ist auf einmal kein Geheimnis mehr.

„Bewegte Bergwelt“ ist sehr spannend geschrieben und das Lesen ein wirkliches Vergnügen. Damit wird eine Lücke geschlossen, denn bislang waren leichtverständliche Bücher über das Entstehen und Vergehen der Berge immer noch Mangelware. Die gut verständlichen und bebilderten Kapitel enthalten eine Menge an Informationen, die auch so manchen Geowissenschaftler etwas Neues bringen dürften. Die verwendete Literatur ist auf dem aktuellen Stand.

Deshalb enttäuscht es hier etwas und ist unverständlich, warum so selten von Literaturverweisen Gebrauch gemacht wurde. Mögen diese im Text den Lesefluss eventuell stören, so erleichtern sie doch dem Interessierten eine weitergehende Vertiefung in die Thematik der einzelnen Kapitel. Da hilft dann auch das kurze Verzeichnis entsprechender Lehrbücher nicht drüber hinweg, das der – gemessen an der Menge der Informationen – vergleichsweise kurzen Quellenangabe vorangeht. Doch das trübt den Gesamteindruck des Buchs nur ein wenig.
17. KW 2011

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 17. KW 2011

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