Schon der Titel "Bekenntnisse eines Hirnforschers" verdeutlicht: Dem renommierten Neurowissenschaftler Christof Koch geht es nicht nur um eine Darstellung des aktuellen Forschungsstands zum Thema Bewusstsein. Stattdessen legt er in dem stark autobiographisch geprägten Buch auch seine persönlichen, teils sehr spekulativen Gedanken dar, die weit über den empirisch abgesicherten Bereich hinausgehen.

Zu Beginn des Werks führt Koch gekonnt durch die philosophischen Debatten über das Bewusstsein und argumentiert, dass dessen Rätsel nicht durch philosophische Überlegungen, sondern nur durch empirische Wissenschaft gelöst werden könnten. Der italienische Neurowissenschaftler Giulio Tononi hat eine Theorie der integrierten Information entwickelt, die Koch zufolge eine solche Lösung anbietet. Sie besagt, Bewusstsein entstehe durch die kausalen Interaktionen zahlreicher Hirnareale und die dabei stattfindende Zusammenführung der in diesen Arealen verarbeiteten Informationen. Die große Stärke des Konzepts, das in populärwissenschaftlichen Debatten bislang wenig Beachtung gefunden hat, besteht darin, dass es auf empirischen Erkenntnissen beruht und zudem Vorhersagen über bewusste Zustände erlaubt.

Koch interessiert sich jedoch auch für die spekulativen Vorhersagen der Theorie. Laut ihren Formeln sollte jedes physikalische System, in dem kausale Interaktionen stattfinden, über ein Mindestmaß an Bewusstsein verfügen. Obwohl diese Vorhersage empirisch kaum getestet werden kann, macht sich Koch für den daraus folgenden Panpsychismus stark, nach dem jedes physikalische Objekt über psychische Zustände verfügt. Er verweist darauf, dass auch philosophische und religiöse Systeme vielfach dem Panpsychismus zuneigen. Koch prophezeit sogar, alle Menschen würden eines Tages in einem "weltumspannenden Übergeist" miteinander verbunden sein. So interessant das klingen mag, es geht weit über das hinaus, was sich derzeit aus empirischen Befunden ableiten lässt. Der Autor konterkariert damit sein Anliegen, ein von wissenschaftlichen Erkenntnissen untermauertes Bild zu liefern.

Insgesamt stellt Kochs Buch eine interessante Mischung aus fundierter, allgemein verständlicher Darstellung des derzeitigen Forschungsstands und persönlicher Spekulation dar. Autobiografische Anekdoten lockern das Werk auf. Allerdings übertreibt Koch gelegentlich, etwa wenn er seine Kindheit und Studienzeit allzu ausführlich darstellt. Das Buch ist somit nur jenen Lesern zu empfehlen, die sich sowohl für den aktuellen Erkenntnisstand in Sachen Bewusstsein interessieren als auch für philosophisch-religiöse und persönliche Diskurse.