Über welche Ländergrenzen hinweg laufen die meisten Tweets? Wo liegen Gegenden, auf die niemand Anspruch erhebt? Welche Bevölkerung konsumiert am wenigsten Zucker? In welchem Land gibt es die meisten Religionen, und wo ist das Meer noch unerforscht? Solche und ähnliche Fragen – insgesamt 50 – beantwortet der Autor und Geograf Alastair Bonnett in seinem Buch. Hierfür präsentiert er jeweils eine großformatige, doppelseitige Weltkarte mit zwei zugehörigen Seiten Text. Wer den Bildband einmal aufgeschlagen hat, kann sich nicht mehr davon losreißen, immer weiter zu blättern und Neues zu entdecken.

Das Spektrum der behandelten Themen ist sehr breit und reicht vom weltweiten Handel mit Nüssen über den regionalen Zuckerkonsum bis hin zur Dichte der Waffen in Privatbesitz. Vergleicht man die letzte mit der regionalen Häufigkeit von Adipositas (Fettleibigkeit), stellt sogar fest, dass beide Verteilungen ähnlich sind. Auf solche Zusammenhänge stößt man beim Hin- und Herblättern immer wieder, auch wenn das Buch sie nicht explizit benennt. So sind die Menschen in Norwegen zwar am glücklichsten, aber sie gehören zugleich zu denen, die den größten ökologischen Fußabdruck erzeugen.

Unerwartete Einsichten

Auch die Karte zum Grad der Friedfertigkeit offenbart einige Überraschungen. So entspricht Südamerika dem verbreiteten Klischee der Gewalttätigkeit überhaupt nicht. Und diverse afrikanische Länder sind ähnlich friedfertig wie die in Westeuropa. Auf einer Detailkarte finden sich die fünf gewaltfreiesten Länder: Island, Dänemark, Österreich und Portugal.

Regionaler Zuckerkonsum
© Food and Agriculture Organization of the United Nations / FDI World Dental Federation, aus A. Bonnett: Atlas unserer Zeit; mit frdl. Gen. des Verlags DuMont, Köln
(Ausschnitt)
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Aufgeschlüsselt nach Regionen, stellt diese Karte den durchschnittlichen Zuckerkonsum dar. Je dunkler die Farbe, desto höher der Konsum; die dunkelsten Blautöne entsprechen mehr als 100 Gramm täglich pro Person.

Lobenswert ist, dass der Autor angibt, woher die Daten kommen, die den Karten zu Grunde liegen, und wie sie aufbereitet wurden. Die meisten Informationen stammen von behördlichen Quellen aus Amerika, die Daten zum regionalen Grad der Glücklichkeit aus dem südasiatischen Königreich Buthan, die zum Zuckerkonsum vom Weltzahnarztverband (World Dental Federation).

Abwechslungsreich gestaltet der Autor die Weltkarten in verschiedenen Projektionen, so dass die jeweiligen Aussagen schnell auf einen Blick zu erfassen sind. Etwas anspruchsvoller ist ein "Sehnendiagramm", dass die weltweiten Migrationsbewegungen auf einen Blick zeigt. Es lässt unter anderem erkennen, dass kaum Menschen aus Japan oder Honkong auswandern, hingegen sehr viele aus Indien in die Vereinigen Arabischen Emirate hinein oder von Süd- nach Nordamerika. Leider basiert gerade dieser Karte auf etwas alten Zahlen von 2010. Aus anderen Schaubildern geht hervor, wie ungleich Energieressourcen verteilt sind, wo sich Wüsten ausbreiten, die Nacht am hellsten ist oder der Wald wächst.

Die großformatigen Karten sind ein Hingucker und machen globale Zusammenhänge auf einen Blick sichtbar. Details bieten die anschließenden Texte. Alles in allem ein optischer wie inhaltlicher Genuss, der dank seiner lehrreichen, knappen und verständlichen Faktenvermittlung sehr empfehlenswert ist.