Der vorliegende Bildband zeigt die unglaubliche Vielfalt der Blütenpflanzen. Seine Besonderheit: Er präsentiert die Gewächse ganz wissenschaftlich anmutend in Form ihrer einzelnen Teile. Blätter, Blüten und Früchte leuchten nebeneinander auf schwarzem Grund dem Betrachter entgegen. So lernen die Leser 200 Blütenpflanzenfamilien der ganzen Welt auf ästhetisch äußerst ansprechende Weise kennen. Die Bilder der Knospen, Kelche, Kronen, Stempel, Staubgefäße, Fruchtknoten, Narben, Blüten, Blätter, Samen, reifen und unreifen Früchte, Wurzelstücke und -knöllchen füllen weit über 200 Seiten. Dabei stehen ungewöhnliche Objekte, etwa quer aufgeschnittene Blüten und Früchte, neben vertrauten Pflanzenelementen.

Die Buchseiten sind immer gleich aufgebaut: Die obere Hälfte zeigt die einzelnen Teile von Gewächsen einer Pflanzenfamilie aus verschiedenen Perspektiven. Diese sind collageähnlich nebeneinander angeordnet und ergeben so ein eigenes Kunstwerk. Die untere Hälfte stellt die jeweilige Familie im Text vor und geht dabei auf Verbreitung, Gattungen, Standorte, Wuchsformen, Blätter, Blüten, Früchte, Nutzung und Besonderheiten ein.

Unkomplettes Erscheinungsbild

Indem das Werk neben den Knospen und Blüten auch die Samen und Früchte zeigt, stellt es verschiedene Entwicklungsstadien der jeweiligen Pflanze vor. Teils sind die Gewächse bis zur Unkenntlichkeit zerlegt, so dass man als Betrachter selbst vertraute Pflanzenfamilien nicht sofort als solche erkennt. Oft lässt sich nur erahnen, wie der vollständige Organismus in der Natur aussieht. Doch gerade diese Darstellung kann zu einer tiefergehenden Beschäftigung mit der Materie anregen – auch und gerade bei bekannten Pflanzen wie Buchsbäumen oder Kakteen.

Die Autorinnen Ingeborg M. Niesler und Angela K. Niebel-Lohmann, beide Diplom-Biologinnen und wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Biozentrum Klein Flottbek an der Universität Hamburg, führen die behandelten Pflanzenfamilien in alphabetischer Reihenfolge auf. So sind sie für den Leser besser nachschlagbar. Ein Glossar am Ende des Buchs erklärt botanische Fachbegriffe.

Der prächtige Bildband hat eine ungewöhnliche Entstehungsgeschichte: Alle Pflanzenteile haben die Autorinnen mit einem Flachbettscannner einzeln eingescannt und anschließend nebeneinander angeordnet, so dass letztendlich 215 Übersichtstafeln entstanden sind. Als Vorbild für ihr "gescanntes Herbarium" dienten ihnen die gezeichneten Herbarbögen früherer Zeiten, etwa der Naturforscherin Maria Sybilla Merian (1647-1717). Der "Bildatlas der Bllütenpflanzen" konserviert äußerst kunstvoll den frischen Farb- und Formenreichtum der Pflanzenwelt und eignet sich für alle Pflanzen- und viele Kunstinteressierten.