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Die Karriere des Stinkefingers

"Wer den ausgestreckten Mittelfinger zeigt, der zeigt symbolisch den erigierten Penis." Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, führt Reinhard Krüger, Professor für Romanische Literaturen an der Universität Stuttgart, den Leser auf einer amüsanten Zeitreise durch die Geschichte obszöner Gesten. Dabei steht der Stinkefinger, von der Antike bis zur Gegenwart, im Mittelpunkt. Durch seine reich illustrierten und unterhaltsamen Ausführungen sorgt der Romanist und Gestenforscher für einige Aha-Erlebnisse, die einen erkennen lassen, wie viel hinter dem gereckten Mittelfinger steckt. So gibt es historische Darstellungen von römischen Phallus-Vögeln oder nackten Gladiatorenkämpfern zu bestaunen, die den geschichtlichen Ursprung der Geste beleuchten.

Auch heutzutage hat der böse Finger Wirkung: Musiker wie Madonna provozieren gerne mit ihm. Und besonders unter Fußballern ist er beliebt, um Unmut auf dem Platz kundzutun. Sogar Politiker lassen sich mitunter zu der Geste hinreißen. Oder doch nicht? Anhand des berühmten Mittelfingers von Yanis Varoufakis, dem ehemaligen griechischen Finanzminister, verdeutlicht Krüger nicht nur, wie viel Aufmerksamkeit die obszöne Gebärde bringen kann, sondern auch, dass sie in verschiedenen Regionen unterschiedliche Bedeutung hat. Denn in Griechenland gelten ganz andere Gesten als obszön, etwa die ausgestreckte Handinnenfläche. Und wer hätte gedacht, dass der erhobene Mittelfinger in der japanischen Gebärdensprache "großer Bruder" bedeutet?

Zum Schluss entlässt der Autor den Leser mit der Frage, ob wohl Tiere die Bedeutung des Stinkefingers verstehen. Diese und manch andere Überlegung erscheinen weit hergeholt, regen aber zum Nachdenken an. Ein empfehlenswerter Band, der durch schöne Gestaltung, Humor und fundiertes Wissen glänzt.

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