In diesem Buch steckt eine Menge Weisheit. Und sie ist obendrein ansprechend verpackt, sowohl sprachlich, was die espritreichen Kolumnen Rolf Dobellis angeht, als auch mit Blick auf die comicartigen Illustrationen des Grafikers El Bocho. Wie schon in den Erfolgsbänden "Die Kunst des klaren Denkens" und "Die Kunst des klugen Handelns" präsentiert der Autor erneut 52 verblüffende Forschungsergebnisse, jeweils knapp auf fünf Seiten abgehandelt. Sie zeigen, wie wir uns bei der Suche nach Glück und Zufriedenheit immer wieder selbst im Weg stehen.

Überschneidungen mit den Vorgängerbüchern sind dabei kaum zu vermeiden, schließlich ist der Fundus an Denkillusionen und Gefühlsfallen begrenzt. So spielen etwa die Fokussierungsillusion (worüber wir aktuell nachdenken, erscheint wichtiger, als es ist) oder der Self-serving bias (wir halten uns gern für besser, als wir sind) auch hier wieder eine Rolle. Immerhin versteht es der Autor, sie in einen neuen Zusammenhang zu stellen: Es geht um die großen und kleinen Kniffe der Lebenskunst – die Frage also, worauf man achten sollte, damit der Alltag nicht zu einem tristen Einerlei wird.

Augenzwinkernde Selbstironie

Neben den Befunden von Psychologen, Ökonomen und Philosophen kommen an vielen Stellen auch die Weisheiten der beiden US-Investmentmilliardäre Warren Buffett (*1930) und Charles Munger (*1924) zur Sprache – die übrigens beide aus Omaha, Nebraska stammen und seit Jahrzehnten eng befreundet sind. Von Munger zum Beispiel stammt der Kalenderspruch: "Wann immer Sie glauben, dass eine Situation oder ein Mensch Ihr Leben ruiniert, ruinieren Sie es in Wahrheit selbst." Ganz in diesem Sinne ist der beherrschende Eindruck, den Dobellis Auflistung hinterlässt, augenzwinkernde Selbstironie. Wir haben doch eigentlich alles, was man zum Glücklichsein braucht; warum sind wir es trotzdem nur so selten? Dieses Buch gibt die Antwort.

Nebenbei erfährt der Leser auch einiges über Dobelli selbst. Etwa, dass er das millionenschwere Angebot, die Biografie eines reichen Unternehmers zu schreiben, ausschlug, weil das Verfassen von Lebensbeschreibungen nicht zu seinem "Kompetenzkreis" gehöre. Oder dass er alljährlich an Silvester mit seiner Frau die Namen von unerquicklichen Bekanntschaften aufschreibt und die Zettelchen anschließend verbrennt. So löse sich der Groll gegenüber Menschen, die einem nicht guttun, in Rauch auf.

Doch wie bei so vielem im Leben sind Wissen und Tun auch in Sachen Glück zwei paar Stiefel. Die teils erstaunlichen Effekte der Psychologie und Kognitionsforschung nehmen wir gerne zur Kenntnis, inwiefern sie uns wirklich den Weg zu einem besseren Leben ebnen, sei dahingestellt. Immerhin: Wenn Dobelli-Fans wieder einmal daran scheitern, weil sie sich zu sehr über Kleinigkeiten ärgern oder sich an Genüsse und Besitztümer gewöhnen, wissen sie wenigstens, warum das so ist.