Aids, Malaria, Ebola, SARS: All diese Krankheiten sprangen beziehungsweise springen aus dem Tierreich auf den Menschen über. Der amerikanische Wissenschaftsjournalist David Quammen begibt sich auf die Spur dieser so genannten Zoonosen. Szenisch beschreibt er erste bekannte Ausbrüche und porträtiert dabei Personen, die entweder als Betroffene oder als Wissenschaftler damit zu tun hatten. Dafür ist Quammen um die ganze Welt gereist: In Afrika schlug er sich mit Ebolaforschern durch den Dschungel, in Asien besuchte er Tiermärkte, von denen SARS ausgegangen war und in Australien traf er einen Tierarzt, der sich bei Pferden mit einer oft tödlich verlaufenden Krankheit angesteckt, sie jedoch überlebt hatte.

Zwischen den reportageähnlichen Teilen liefert der Autor Hintergrundinformationen zu den einzelnen Krankheiten, zu Zoonosen im Allgemeinen, zu gesellschaftlichen Faktoren ihrer Übertragung und Verbreitung, und zur Arbeit der Wissenschaftler, die Seuchen erforschen. Dabei erfährt der Leser, wie aufwändig es oft ist, die Ursache einer neuen Infektionskrankheit zu finden – vor allem, aber nicht nur in Ländern mit schlechter medizinischer Infrastruktur. Zunächst muss der Erreger identifiziert werden: Handelt es sich um ein Virus, ein Bakterium oder vielleicht um einen Parasiten? Wie wahrscheinlich ist die Übertragung von Mensch zu Mensch? Welche Schutzmaßnahmen sind notwendig, welche Behandlung sinnvoll? Und bei Zoonosen schließlich: Welches sind die "natürlichen", über lange Zeit koevolvierten Wirte des Erregers, die selbst kaum an ihm erkranken?

Gesellschaft und Politik entscheiden über die öffentliche Gesundheit

Um diese überlebenswichtigen Fragen zu beantworten, müssen Fachleute verschiedener Disziplinen zusammenarbeiten: Kliniker und Epidemiologen, Feldforscher und Molekularbiologen. Quammen besuchte viele von ihnen, fragte sie über ihre Arbeit aus und begleitete sie teils zu Originalschauplätzen. Immer wieder klingt in seinen Berichten die politisch-gesellschaftliche Dimension an, die oft maßgeblich mit darüber entscheidet, ob eine potenzielle Seuche ein lokal begrenztes Ereignis bleibt oder sich global verbreitet.

Anders als der reißerische Untertitel vermuten lässt, pflegt der Autor überwiegend einen ausgewogenen, sachlich-unaufgeregten Stil, stützt sich auf wissenschaftliche Quellen und differenziert Informationen nach Glaubwürdigkeit. Er möchte "keine Ängste schüren, sondern Informationen liefern und Zusammenhänge verständlich machen". Seine Prognosen sind nichtsdestoweniger beunruhigend: Unter anderem führt er aus, dass wir in Zukunft mit mehr Zoonosen rechnen müssen. Grund dafür sei, dass wir immer mehr natürliche Ökosysteme zerstörten und dabei mit neuen Krankheitserregern im Kontakt kämen, die bis dahin mehr oder weniger friedlich mit ihren natürlichen Wirten koexistiert haben. Durch unser Eindringen, schreibt der Autor, bringen wir diese Ökosysteme aus dem Gleichgewicht und bieten den Pathogenen die Gelegenheit, auf uns überzuspringen.

Artenschutz ist kein Selbstzweck

Diese Argumentation belegt der Autor an zahlreichen Fallbeispielen. Teils schweift er dabei ein wenig zu weit aus – in einigen Kapiteln hat man bereits nach der Hälfte den Eindruck, umfassend informiert zu sein. Deutlich wird aber in jedem Fall: Wenn wir die Erde mit ihrer Artenvielfalt schützen, schützen wir auch uns.

Das Buch krankt leider daran, nicht auf dem neuesten Stand zu sein: Die Originalveröffentlichung von 2012 hat der Verlag für die deutsche Ausgabe offenbar nicht aktualisiert. So fehlt in dem ausführlichen Kapitel über Ebola die verheerende Epidemie von 2014 und 2015 – die schlimmste bisher aufgezeichnete, die immer noch nicht völlig unter Kontrolle ist. Abgesehen von diesem Manko lohnt die Lektüre: Anschaulich und gut lesbar vermittelt der Autor komplexe Zusammenhänge und gibt detaillierte Einblicke in die Arbeit von Wissenschaftlern. Sein Werk hilft, die Hintergründe aktueller und künftiger Epidemien besser zu verstehen.