Das Thema "Leben im Universum" stößt immer wieder auf breites Interesse. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht n-tv oder ähnliche Sender die x-te Wiederholung eines Beitrags über Aliens ausstrahlen. Das meiste davon gehört in die Rubrik Sciencefiction. Zum Glück gilt dies nicht für das vorliegende Buch von Florian Freistetter. Der promovierte Astronom und bekannte Wissenschaftsautor konzentriert sich auf empirisch belegte Fakten. Im Titel seines Werks klingt an, dass die Suche nach Exoplaneten, also nach Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, in den zurückliegenden 20 Jahren überraschende und spektakuläre Ergebnisse erbracht hat. Diesen Befunden entsprechend geht es in dem 250-seitigen Buch vorwiegend um die Voraussetzungen, unter denen extraterrestrisches Leben nach heutigem Kenntnisstand existieren kann. Die wichtigste Bedingung ist zweifellos die Existenz von Planeten, die um Sterne kreisen.

400 Jahre, um einen Fehler einzugestehen

Das erste Kapitel bietet eine interessante Rückschau. Mutig diskutiert der Autor das heikle Thema "Religion gegen Wissenschaft" und zieht einen weiten Bogen von den alten Griechen bis in die Neuzeit. Dabei zeigt sich, wie aufgeschlossen Philosophie und Wissenschaft mit der Frage nach außerirdischem Leben umgegangen sind – und wie ideologisch eingeengt dagegen die Vertreter der (christlichen) Religion argumentiert und leider auch gehandelt haben. Ein unrühmlicher Höhepunkt christlich-dogmatischen Wirkens war die öffentliche Verbrennung des italienischen Philosophen und Astronomen Giordano Bruno (geb. 1548) im Jahr 1600. Er wurde hingerichtet, weil er annahm, es gebe unendlich viele Planeten im Universum, die sich um Sonnen bewegen und auf denen Lebewesen beheimatet sind – ein Vorstellung, die damals als Häresie galt. Die Kirche brauchte 400 Jahre, bis sie offiziell einräumte, das Urteil sei als Unrecht zu betrachten. Vielleicht hatte der Nachweis zahlreicher Exoplaneten zu diesem Sinneswandel beigetragen?

In den folgenden Kapiteln beschreibt Freistetter den steinigen Weg bis zu diesen Entdeckungen. Schon die Existenz der Planeten Uranus und Neptun, die nur noch durchs Teleskop zu sehen sind, hatte gezeigt, dass mehr da draußen ist als mit bloßem Auge zu erkennen. Leider gelang es zunächst nicht, aus den Bewegungen ferner Sterne zweifelsfrei abzuleiten, dass diese planetare Begleiter besitzen. 1992 war es dann endlich soweit: Forscher wiesen die ersten Exoplaneten nach. Die Begeisterung – es waren derer gleich zwei! – schlug allerdings schnell in Entsetzen um. Alle, die auf "gesunde Kinder" gehofft hatten, sahen sich mit kosmischen Schimären konfrontiert. Das Muttergestirn dieser fernen Welten ist ein Pulsar, ein Supernova-Überrest, und seine Begleiter wohl trostlose Schlackekugeln.

Monströser Planet

Drei Jahre später entdeckte man zur allgemeinen Beruhigung auch eine "anständige" Sonne nebst Planet, und zwar in Gestalt des Sterns 51 Pegasi und seines Begleiters 51 Pegasi b. Der Fund gelang durch Messung eines Dopplereffekts: Während der Stern sich um den Massenschwerpunkt bewegt, den er und sein Planet gemeinsam haben, verschieben sich aus unserer Perspektive die Spektrallinien in seinem Licht periodisch wiederkehrend. Das war ein wissenschaftlicher Durchbruch, doch wieder wurden all jene, die auf eine "Schwester der Erde" gehofft hatten, bitter enttäuscht: Um 51 Pegasi kreist ein kolossaler Himmelskörper, der 46 Jupitermassen in sich vereint und nur ein Zwanzigstel des Abstands zu seinem Stern hat wie die Erde zur Sonne. Eine wahrhaft heiße Welt!

Dass dies kein Einzelfall ist, wurde bald klar. Ein "heißer Jupiter" nach dem anderen ging den Forschern ins Netz. Ausführlich beschreibt Freistetter, warum diese Planeten ihre Sterne so eng umrunden und warum es in unserem Sonnensystem ganz anders zugeht. Indem die Astronomen ihre Dopplermessungen verfeinerten und ihr Methodenspektrum um neue Verfahren erweiterten (Messungen von Planetentransits und Gravitationslinseneffekten), konnten sie schließlich auch kleinere Planeten in größeren Abständen zum Mutterstern nachweisen und die Existenz ganzer Planetensysteme belegen. Heute ist klar: Wir leben in einem "Universum der Planeten" und es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Suche nach der "zweiten Erde" zum Erfolg führt.

Wer sind sie wohl?

So ganz ohne Sciencefiction kommt Freistetter dann doch nicht aus. Die entsprechenden Passagen sind als "Exkurs" eingeschoben und heben sich durch einen anderen Schrifttyp ab. Hier spekuliert der Autor, was das Zeug hält: Wo die Aliens sind und ob sie bereits nach uns suchen, welche Technologie sie wohl besitzen, wie man mit ihnen kommunizieren könnte und ob sie aggressiv sind.

Alles in allem ist "Die Neuentdeckung des Himmels" ein interessantes Buch, das sich durch gut belegte und verständlich präsentierte Fakten von vielen anderen einschlägigen Publikationen abhebt. Es verbindet präzise Beobachtungsergebnisse und sachliche Analysen mit fantasievollen Abschnitten und präsentiert sich dadurch sowohl fundiert als auch spannend. Als Realist kann man der These des Autors nur zustimmen, dass wir höchstwahrscheinlich nicht allein im Universum sind. Irgendwann wird die Wissenschaft das vermutlich beweisen können, was unser Weltbild revolutionär verändern wird.