Ein tropfenförmiger Körper, ein langer Schnabel und ebensolche Beine, und das Tier watet gern in flachem Wasser. Das muss ein Watvogel sein – nur welcher?

Dieser Bildband hilft, das herauszufinden. Er stellt die Vielfalt der Watvögel (Limikolen) in Wort und Bild vor. Autor Lars Gejl ist ein renommierter dänischer Naturfotograf und Verfasser wissenschaftsnaher Texte. Sein Spezialgebiet ist die Vogel- und Tierfotografie. Er hat zahlreiche Natur- und Vogelbücher publiziert; die dänische Originalausgabe dieses Werks erschien 2015.

"Die Watvögel Europas" beschreibt 82 Arten. 670 Fotos zeigen Einzeltiere und Gruppen, sowohl am Boden beziehungsweise im Wasser als auch im Flug. Ästhetisch besonders ansprechend sind die Aufnahmen von Schwärmen.

Umfassende Beschreibungen

Neben Lars Gejl haben noch etliche andere Fotografen zu dem Band beigetragen. Ihre Bilder stellen sowohl die verschiedenen Altersklassen dar (Pullus, juvenil, postjuvenil, adult) als auch die oft leicht zu verwechselnden Federkleider. Gejls Artbeschreibungen informieren über Vorkommen, Verbreitung, Zugverhalten, Brutbiologie, Gefiederkleider, Stimme und Unterarten. Auch geben sie Hinweise zu Unterscheidungsmerkmalen. Übersichtsseiten und 189 Silhouetten erleichtern die Bestimmungsarbeit.

43 abgedruckte QR-Codes führen Leser, die mit Smartphones ausgerüstet sind, direkt zu Tonaufnahmen der jeweiligen Vogelstimmen. Gefiederte Sänger wie Kiebitzregenpfeifer (Pluvialis squatarola) oder Uferschnepfe (Limosa limosa) lassen sich so im heimischen Wohnzimmer nacherleben. Auf diese Weise können sich die Leser(innen) die Vogelstimmen gut einprägen und auch zwischen verschiedenen Gesängen vergleichen.

Inhaltlich hält der Band durchaus das eine oder andere Überraschende bereit. So erfährt man, dass der Austernfischer (Haematopus ostralegus) sein Nest mit Muscheln auskleidet; dass manche Kampfläufer-Männchen (Calidiris pugnax) wie Weibchen aussehen, sich so unerkannt in der Balzarena bewegen und Paarungen "erschleichen", indem sie schnell zwischen das erwählte Männchen und das paarungswillige Weibchen drängen und es blitzschnell begatten; und dass die nordamerikanische Unterart der Pfuhlschnepfe (Limosa l. baueri) den Weltrekord im Nonstop-Flug hält. Im Herbst zieht sie direkt von ihrem Brutgebiet in Alaska zum Winterquartier in Neuseeland. Das ist eine Strecke von nicht weniger als 11.500 km, die sie in einem neuntägigen Nonstop-Flug mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 60 Kilometer pro Stunde zurücklegt. Und die Bekassine (Gallinago gallinago) "singt" während ihres Balzflugs mit den steifen äußeren, gespreizten Schwanzfedern, indem sie damit ein wummerndes Fluggeräusch erzeugt.

Das Werk wendet sich an angehende und routinierte Vogelbeobachter. Es bietet ihnen fundiertes Wissen und Hilfestellungen zur sicheren Bestimmung. Von Nachteil ist jedoch, dass sich der Bildband auf Grund seines großen Formats und Gewichts nur bedingt für Feldbeobachtungen eignet.