Sind wir allein im All? Daniel Gerritzen, Journalist und Mitbegründer des Forschungsnetzwerks "Extraterrestrische Intelligenz", beschäftigt sich mit der Suche nach außerirdischen Intelligenzen – und damit, welche sozialpsychologischen Wirkungen die mediale Berichterstattung über einen Kontakt hätte. In diesem Buch geht er der Frage nach, ob und wie wir uns auf den Erstkontakt mit Aliens vorbereiten sollten. Er folgt dabei einer Dreiaktstruktur: 1. Der Kontakt 2. Die Folgen 3. Der Ausblick.

Gerritzen schildert, wie Orson Welles' Hörspiel "The War of the Worlds" (1938) nicht nur bei der Erstausstrahlung, sondern noch in den 1980er Jahren bei vielen Hörern Panik, Flucht- und Abwehrverhalten provozierte. Auch beschreibt er, wie Kinoaußerirdische, etwa Ridley Scotts "Alien" (1979) und John Carpenters "The Thing" (1982), unsere Urängste vor Spinnen, Schlangen, Dunkelheit und großen Raubtieren triggern.

Mit Antennen in den Kosmos lauschen

Der Autor blickt zurück auf vierzig Jahre SETI (Search for Extraterrestrial Intelligence) und SETA (Search for Extraterrestrial Artefacts). Detailverliebt und anekdotenreich erzählt er von dem amerikanischen Astrophysiker Frank Drake, der seit Mitte des 20. Jahrhunderts nach nichtmenschlichen Radiosignalen sucht, und von dem australischen Ingenieur und Physiker Ronald Bracewell, der vorschlug, man solle doch lieber nach Robotersonden nahe und auf der Erde forschen. Thematisiert wird auch der amerikanische Astrophysiker Jerry Ehman, der 1977 das berühmt gewordene "Wow!"-Radiosignal aufzeichnete, das einmalig auftrat, dessen Ursache bis heute nicht eindeutig geklärt ist und das dem Autor zufolge höchstwahrscheinlich einen außerirdischen Ursprung hat.

Vor den Folgen eines Erstkontakts warnte bereits 1960 der Brookings-Report, den die US-Regierung in Auftrag gegeben hatte. Er riet dazu, sich zur Vorbereitung an dem Erstkontakt zwischen indigenen Völkern und Europäern zu orientieren, denn bei einer Konfrontation mit technisch höher entwickelten Aliens stünden wir ähnlich da wie Ureinwohner, die mit Pfeil und Bogen gegen Kanonen kämpfen. Die Autoren des Berichts bemängelten die Naivität von Politikern und Journalisten, die völlig unzureichende Aufklärung über das Thema sowie das komplette Fehlen eines politischen Masterplans. Die gleiche Kritik äußerte 2013 sogar das Weltwirtschaftsforum in Davos.

Das ist auch Anliegen von Gerritzen und vermutlich der Grund, warum er dieses Buch geschrieben hat. In der zweiten Buchhälfte zeichnet er Worst-Case-Szenarien, die vom Auffangen eines außerirdischen Radiosignals bis zur Begegnung mit Aliens reichen. Wenn diese katastrophal verlaufe, meint er, seien daran weniger die Außerirdischen als die Menschen Schuld, die ungebildet, panisch und hektisch reagierten. Unvorbereitete, aus dem Affekt handelnde Politiker, sensationsgierige Medien, Aufruhr in den sozialen Medien und geltungssüchtige Astronomen würden seiner Meinung nach unseren Untergang einleiten.

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Selbst im Best-Case-Szenario, dass nämlich Außerirdische unsere Ernährungs- und Gesundheitsprobleme lösen, sieht der Autor eine Katastrophe. Solche Segnungen würden zu Weltwirtschaftskrisen und Überbevölkerung führen. Laut Gerritzen ist es eine drängende Aufgabe der Menschheit, sich auf den Tag X vorzubereiten und darüber aufzuklären. Auch wenn er ein ausgesprochener Pessimist ist, scheint er doch überzeugt zu sein, dass mit gut durchdachter Vorbereitung ein katastrophaler Verlauf dieses Kontakts abgewendet werden könne.

Auf den letzten Seiten gibt Gerritzen einen wenig hoffnungsvollen Ausblick auf eine Zukunft, in der wir es möglicherweise nicht mit Aliens selbst zu tun bekommen, sondern mit von ihnen erschaffenen künstlichen Intelligenzen, die sich von ihren Erbauern emanzipiert und diese verdrängt haben.

"Erstkontakt" ist ein gut lesbares, drängendes Plädoyer zum Handeln. Wie ernst man es nehmen möchte, muss jeder selbst entscheiden. Wer sich mit Außerirdischen beschäftigt, steht schnell als Spinner da – wofür vor allem die vielen Scharlatane verantwortlich sind, die sich auf dem Gebiet tummeln und schrille Thesen in die Welt setzen. Selbst das SETI-Programm ist vom Bestsellerautor und Regisseur Michael Crichton einmal als Religion bezeichnet worden.

Leider hat das Buch weder ein Namensregister, obwohl dieses bei dem wissenschaftlichen Namedropping sehr hilfreich wäre, noch – was viel mehr schmerzt – ein Glossar. Die Fachbegriffe werden zwar im Fließtext erklärt, doch astrophysikalisch nicht vorgebildete Leser haben so keine Chance, die Fachtermini noch einmal nachzulesen.