Sachbücher über Astronomie und Kosmologie behandeln selten religiöse Themen. Da erweckt dieses Buch Aufmerksamkeit, deutet es doch im Titel an, sich der Frage nach einem planenden Schöpfer anzunehmen. Ich war gespannt, wie der Autor Erik Bertram – ein junger Astrophysiker – Wissenschaft und Religion in Einklang bringen würde. Auf dem Einband heißt es dazu: "Nur eine 'Weltformel', die alle physikalischen Theorien miteinander vereint, wird der Natur ihre letzten großen Geheimnisse entlocken und Gottes großen Plan, der die Grenzen von Metaphysik und Religion streift, aufdecken können."

Leider muss man auf den Auftritt des Schöpfers bis zum Ende warten. Erst der letzte Abschnitt "Gibt es Gott?", zehn Seiten kurz, widmet sich dem spannungsgeladenen Verhältnis zwischen Wissen und Glaube. Die rund 260 Seiten davor konzentriert sich Bertram allein auf den Untertitel und unternimmt "Eine Reise durch die Geschichte des Universums". Populärwissenschaftliche Darstellungen, die sich damit befassen, gibt es bereits in rauen Mengen; der Autor muss sich also an zahlreichen Konkurrenten messen lassen.

An dem Werk ist einiges zu kritisieren. Das Buch gibt in drei Kapiteln zwar den aktuellen Wissensstand hinreichend vollständig wieder, illustriert mit 50 meist farbigen Abbildungen. Und der lockere Schreibstil ist eingängig. Literaturhinweise und ein Inhaltsverzeichnis fehlen jedoch; es gibt lediglich ein Glossar (in dem Gott nicht vorkommt). Zudem häufen sich viele kleine Fehler.

Interferenz und Schwärzung

Nach einem Vorwort des ESA-Astronauten Thomas Reiter geht es zunächst um das frühe Universum. Von Mechanik und Elektrodynamik über Relativitätstheorien bis zur Quantenphysik stellt Bertram das physikalische Rüstzeug zusammen, damit seine Leser solche Begriffe wie Urknall, Inflation, Teilchenbildung oder kosmische Hintergrundstrahlung besser verstehen können. Leider unterlaufen ihm einige Ungenauigkeiten. So tritt in der speziellen Relativitätstheorie nicht die schwere, sondern die träge Masse auf. Ferner ist das Higgs-Boson kein "Austauschteilchen" oder "Eichteilchen", denn es ist keine direkte Folge einer Eichsymmetrie, vermittelt also keine Wechselwirkung im Sinne des Standardmodells. Und beim Doppelspaltexperiment erzeugen einzelne Teilchen kein "Interferenzmuster" auf dem Schirm, wie es in dem Band heißt, sondern eine punktförmige Schwärzung an einem zufälligen Ort. Die Aussage, Metalle seien in der Astrophysik alle Elemente schwerer als Wasserstoff, ist falsch – richtig wäre Helium.

Im Abschnitt "Das späte Universum" befasst sich Bertram mit Sternentstehung und -entwicklung. Auf dem Gebiet hat er promoviert, was deutlich hervorgehoben wird. Allerdings fallen auch hier kleine Schwächen auf. Um sich die Spektralklassen (O, B, A, F, G, K, M) zu merken, präsentiert der Autor den Satz "Offenbar Benutzen Astronomen Furchtbar Gerne Merksätze". Was ist mit dem "K"? Auch stimmt die Behauptung nicht, für Herschel seien "Planetarische Nebel" eine "Vorstufe der Planetenentstehung" gewesen. Kurz darauf heißt es: "Im Hertzsprung-Russel-Diagramm findet man diese Nebel ganz oben in der Mitte bei hohen Leuchtkräften." Meines Wissens gilt das Diagramm nicht für Emissionsnebel mit Linienspektrum – und die Zentralsterne der Planetarischen Nebel sind Weiße Zwerge, im Diagramm unten links zu finden. Das Kapitel endet mit der Bildung der Planeten und der Entstehung des Lebens. Ärgerlich sind Sätze wie "Ein durchschnittlicher Mensch mit einem Gewicht von 70 Kilogramm würde auf dem Merkur aufgrund seiner geringen Masse nur rund ein Drittel davon wiegen, also ca. 23 Kilogramm". Die Masse (in Kilogramm) ist überall gleich, nur das Gewicht (in Newton) unterscheidet sich.

Blick auf unseren Planeten

Das letzte Kapitel "Die Zukunft des Universums" nimmt zunächst Exoplaneten und Aliens in den Blick. Weiter thematisiert Bertram das künftige Schicksal der Erde und geht dabei auf Klimawandel und Umweltverschmutzung ein. Zum Weltraummüll zählen für ihn erstaunlicherweise "Reste von Düsentriebwerken" (wie kommen die dahin?). Da der Autor in der Computerbranche arbeitet, widmet er sich auch der digitalen Welt. Den Abschluss bilden Passagen über Dunkle Materie, das Ende der Welt – und schließlich Gott.

Neben den genannten sachlichen machen auch formale Schnitzer wie Satzwiederholungen und falsche Reflexivpronomen deutlich, dass beim Lektorat noch Luft nach oben gewesen wäre. Das grundlegende Manko besteht jedoch darin, dass der im Titel angekündigte Aspekt "Gottes großer Plan" fast nicht behandelt wird. Über den naturgemäß subjektiven Inhalt dieser wenigen Seiten lässt sich schlecht urteilen, hier sollte sich jeder Leser eine eigene Meinung bilden.