Kreativ, originell und innovativ sein, das wollen viele von uns. Doch oft fehlt uns dazu die nötige Inspiration. Obwohl Neurowissenschaftler und Psychologen inzwischen mehr Licht auf dieses Phänomen geworfen haben, hat es kaum etwas von seiner Magie verloren. Die Wissenschafts- und Hörfunkjournalistin Bettina Mittelstraß und die Werbegestalterin Iris Döring möchten in ihrem Buch erläutern, wie man die Kreativität zum Sprudeln bringen kann.

Die Autorinnen nähern sich dem Thema über kognitionswissenschaftliche Erkenntnisse, etwa zum Denken, Wahrnehmen und zur Aufmerksamkeit. Habituation sei beispielsweise verantwortlich dafür, dass wir manche Reize (wie den neuen Haarschnitt des Ehegatten) schlicht nicht bemerken. Wir seien es ohnehin gewohnt, mit einem Tunnelblick durch die Welt zu laufen. Was in einem reizüberflutenden Supermarkt von Vorteil ist, werde schnell zum Nachteil, wenn wir auf der Suche nach neuen Ideen seien. Dennoch sei es möglich, unsere Aufmerksamkeit zu erweitern und uns damit für Inspiration zu öffnen. Zum Beispiel durch Müßiggang, bewusste multisensorische Wahrnehmung oder Tagträumen.

Unklare Schwerpunktsetzung

Die Autorinnen versuchen, einen wissenschaftlich fundierten Einstieg in das Thema zu geben. Leider funktioniert das nur bedingt. Die meisten Themen schneiden sie nur oberflächlich an. Das Bewusstseinsproblem etwa handeln sie auf nicht einmal drei luftig gestalteten Seiten ab. Zwar nennen sie mit Descartes und Leibniz zwei wichtige Namen der Bewusstseinsphilosophie und erwähnen, dass "neurobiologische Untersuchungen nützliche Hinweise auf die Arbeitsweise unserer Gehirnstruktur" geben, erklären jedoch kaum etwas. Dem Gedächtnis widmen sie dagegen mehr als 15 Seiten, ohne dass klar wird, wo genau der Bezug zur Inspiration liegt.

Neben Studien kommen dankenswerterweise auch Menschen aus kreativen Branchen zu Wort. Anekdoten, Zitate und Experteninterviews lockern die wissenschaftlichen Ausführungen auf. Schön ist, dass der kreative Bereich dabei nicht nur auf Künstler beschränkt ist, sondern auch Geologen, Pfarrer oder Politiker miteinbezieht. An manchen Stellen wirken die Geschichten und Gespräche jedoch willkürlich und lassen den Bezug zum Fließtext vermissen. Unglücklich ist zudem, dass Döring und Mittelstraß den Begriff Inspiration erst im letzten Teil des Buchs historisch und kulturwissenschaftlich einordnen. Dies müsste früher geschehen. So erscheint es wie ein Nachtrag und durchbricht den Spannungsbogen.

Leider entscheidet sich das Buch bis zum Ende nicht, ob es Ratgeber, inspirierendes Sachbuch oder populärwissenschaftliche Abhandlung sein möchte. Für Ersteres etwa müssten die Ratschläge entweder origineller sein oder den Leser besser anspornen, sie auch wirklich auszuprobieren, beispielsweise durch tägliche Aufgaben oder anschauliche Anweisungen. Am nächsten kommt das Werk einer populärwissenschaftlichen Abhandlung, von der man jedoch mehr inhaltliche Tiefe und eine bessere Gliederung erwartet. Das alles hinterlässt beim Lesen das Gefühl, das Potenzial dieses an vielen Stellen durchaus liebevoll geschriebenen Werks sei nicht ausgeschöpft worden.