"Ein Gott, ein Kaiser, ein Weltreich, ein Glaube." Diese einfache Formel beschreibt das spätantike römische Kaiserreich, in dem das Christentum zur Staatsreligion aufstieg. Laut der Historikerin Almut Höfert entwickelte sich das Imperium dadurch zum irdischen Abbild des "himmlischen Reichs", in dem der Kaiser quasi als Stellvertreter Gottes auf Erden fungierte – mit der Aufgabe, die Untertanen auf die Gottesherrschaft vorzubereiten. Monotheismus, also der Glaube an einen einzigen Gott, und imperiale Herrschaft waren somit eng verwoben und stützten sich gegenseitig. Soweit zumindest die Theorie.

Wie Höfert zeigt, war die praktische Umsetzung dieser Idee jedoch äußerst komplex und konfliktträchtig. Zwar konnte sich das oströmische Kaisertum nach der römischen Reichsteilung 395 noch mehr als tausend Jahre behaupten, bis 1453 nämlich, während Westrom im Zuge der Völkerwanderung kollabierte. Doch erhielt Ostrom durch die Kaiserkrönung Karls des Großen (747/748-814) im Jahr 800 eine unerwünschte Konkurrenz, die es erst Jahre später eher widerwillig anerkannte.

Politik färbt Religion

Beide Kaiser beriefen sich zu ihrer Legitimation auf christliche Wurzeln und banden den christlichen Glauben eng in ihre Politik ein. Zudem zeigen auf Münzen geprägte Titulaturen, dass auch das neue fränkische Kaisertum römische Wurzeln für sich proklamierte. Historiker bezeichnen dies als Zwei-Kaiser-Problem. Religionsgeschichtlich führte die Politik beider Reiche im Jahr 1054 zur Spaltung in eine Ost- und eine Westkirche, denen die Trennung in "orthodox" und "römisch-katholisch" entsprach.

Parallele Entwicklungen vollzogen sich im islamischen Kulturraum. Höfert verweist darauf, dass – im Kontext der Auseinandersetzungen mit den Christen – ebenso Muslime dem Grundsatz "ein Gott, ein Kalif, ein Weltreich, ein Glaube" folgten. Infolge der Konkurrenz zwischen umayyadisch-abbasidischem sowie fatimidischem Kalifat kam es auch hier zur religiösen Spaltung: in die Glaubensrichtungen der Sunniten und Schiiten.

Verschiedene Kulturen, ähnliche Machtspiele

Die römischen Kaiser ab Konstantin I. (270/288-338) saßen den ökumenischen Konzilen (übergeordneten kirchlichen Versammlungen) vor. Doch im Rahmen des fränkisch-lateinischen Kaisertums führten Reformen und Rechtsprechung der machtbewussten Papstkirche zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Papst. Sie ließen den Einfluss der Kaiser auf das Kirchenrecht schwinden und gipfelten in dem berühmten Bußgang Heinrich IV. (1084-1106) nach Canossa. Ganz ähnlich hatten auch im islamischen Raum die Kalifen zunächst die Kultaufsicht inne, verloren diese jedoch ab dem 10. Jahrhundert.

Alle vier untersuchten Universalmonarchien, die Höfert betrachtet – byzantinisches und fränkisches Kaisertum, umayyadisches und fatimidisches Kalifat – stehen ihrer Ansicht nach in einer Linie: Sie ähneln sich hinsichtlich Legitimation und politisch-religiöser Herrschaftsansprüche. Die Autorin setzt religions- und machtpolitische Entwicklungen in den entsprechenden Kulturkreisen fundiert und kenntnisreich zueinander in Beziehung. Hierbei zeigt sie, dass die damaligen Ereignisse bis heute nachwirken.

Das inhaltlich anspruchsvolle Werk eignet sich für Leser, die sich für eine Geschichtsschreibung mit globalem Blick und für interkulturelle Vergleich interessieren.