"Man erblickt nur, was man schon weiß und versteht" schrieb vor nahezu 200 Jahren Johann Wolfgang von Goethe seinem Weimarer Freund Friedrich von Müller. Dieser Satz eignet sich als Motto des vorliegenden Buchs von Claudia und Wolfgang Hinz. Denn er gilt auch für das Beobachten von Lichtphänomenen am Himmel, um die es in dem Band geht.

Seitenfüllende Aufnahmen auf Hochglanzpapier nehmen ziemlich genau zwei Drittel des Werks ein. Dass dadurch Bildunterschriften jeweils im halben Dutzend pro Spalte zusammengefasst werden müssen, irritiert nur im ersten Moment. Der Text, von erläuternden Skizzen unterstützt, beschreibt die Gestalt und das Vorkommen der Phänomene und gibt einfache Erklärungen. Physikalische Grundlagen und ergänzende Detaildiskussionen sind dunkelblau unterlegt und so vom Fließtext abgesetzt. Die meisten Kapitel schließen mit nützlichen und genauen Anregungen, wie sich entsprechende Himmelsereignisse beobachten und fotografieren lassen.

Schimmern, Leuchten und Brillieren

Regenbogen und Halos sind die auffälligsten Lichtphänomene am Himmel und werden dementsprechend ausführlich präsentiert. Das Buch zeigt auch sehr seltene und schwer auszumachende Erscheinungen. Insgesamt erreichen die Autoren eine recht ausgewogene Vollständigkeit, von der Farbe des Himmels, Schatteneffekten wie dem "Brockengespenst", dem Nebelbogen, über farbige "Kränze" und Wolken bis hin zu einem Ausblick auf leuchtende Nachtwolken, Airglow und Polarlicht in der hohen Atmosphäre.

Hilfreich für das Einordnen von Halos sind besonders die gegen Ende gezeigten Abbildungen dreier reichhaltiger Haloerscheinungen. Beschriftungen darin machen die Beziehung der einzelnen Bögen untereinander anschaulich. Mit ihrer Hilfe lassen sich auch jene eindrucksvollen Halo-Aufnahmen zuordnen, die auf dem Einband und neben dem Vorwort zu sehen sind.

"Lichtphänomene" ist zwar kein Lehrbuch der atmosphärischen Optik, das Schritt für Schritt ins Thema einführt. Dafür aber kann man die Kapitel gut einzeln lesen und so seinen momentanen Interessen folgen. Am Ende des Werks finden sich noch einige nützliche Zusammenstellungen, darunter ein Stichwortverzeichnis.

Das Buch zielt in erster Linie auf Leser, die sich mit solchen Phänomenen bereits beschäftigt haben. Aufgrund seiner üppigen und vielfältigen Bebilderung überzeugt es auch als farbiger Naturbildband, der bei manchen das Interesse daran wecken mag, mehr davon selbst zu sehen.