„Manipulieren” heißt, einen Menschen zu etwas zu veranlassen, was er eigentlich nicht möchte. Der Begriff war ursprünglich nicht negativ behaftet (lat. manipulus, „etwas in der Hand haben”, übertragen „Kunstgriff”), wird heute aber oft mit unmoralischem Verhalten in Verbindung gebracht. Rainer Sachse, Leiter des Instituts für Psychologische Psychotherapie (IPP) in Bochum, vermittelt in seinem Buch einen fundierten Einblick in Formen der Manipulation und entsprechende Abwehrstrategien. Er erläutert wesentliche Aspekte des Beeinflussens Anderer sowie der Selbsttäuschung.

Schnell wird klar: Wir alle manipulieren ständig und werden manipuliert, meist aber in harmloser Form und überwiegend unbewusst. Dieses Verhalten sei verbreitet und normal, schreibt Sachse, es könne sogar als soziale Kompetenz betrachtet werden. Entscheidend sei die Dosis. Manipulation werde dann zum Problem, wenn sie zu häufig eingesetzt werde oder ernsten Schaden bewirke

Eine Frage des Charakters

Der Autor beleuchtet, warum wir manipulieren, welchen Nutzen und welche potenziellen Nachteile wir dabei haben. Er erläutert, wie man verschiedene Arten der Einflussnahme erkennt und sich dagegen wappnet – und wie man selbst entsprechend auf andere einwirken kann. Sachse befasst sich schwerpunktmäßig mit Persönlichkeitsstilen und -störungen und lässt diese Perspektive in das Buch einfließen. So schreibt er, welche Charaktertypen zu welchen manipulativen Strategien neigen. Sabotage-Strategien etwa würden von Menschen mit passiv-aggressivem Persönlichkeitsstil bevorzugt.

Manipulation sei eine Art des zwischenmenschlichen Spiels, meint Sachse. Er erörtert, welche Arten von „Manipulationsspielen” es gibt und wie man jeweils aus ihnen aussteigen kann. Die Selbsttäuschung entlarvt er als Form der Selbstmanipulation und gibt interessante Einblicke in dieses bislang noch wenig erforschte Gebiet.

Das Buch eignet sich vornehmlich für Psychologen, Psychotherapeuten und Berater, darüber hinaus aber auch für alle, die sich für zwischenmenschliche Beziehungen, Kommunikation und Interaktion interessieren. Es vermittelt ein tiefes Verständnis von manipulativen Strategien und kann jenen helfen, die sich im beruflichen oder privaten Alltag damit auseinandersetzen müssen. Ein wenig unpassend erscheint der Untertitel „Wie gestalte ich mir die Welt so, dass sie mir gefällt”. Denn um die Verwirklichung eines angenehmen Lebens geht es in dem Buch nur am Rande.

Dem Autor ist ein gut verständliches und erhellendes Werk gelungen, dem es nicht an Tiefgang fehlt. Sowohl Einsteiger als auch Experten können von der Lektüre profitieren.