Das vorliegende Taschenbuch bildet zusammen mit "Professor Stewarts mathematisches Sammelsurium" (2011) und "Professor Stewarts mathematische Schätze" (2012) eine Trilogie. Und gleich vorab lässt sich sagen: Freunde der Unterhaltungsmathematik würden es mit Sicherheit begrüßen, wenn der Autor die Reihe fortsetzte.

Lesern von "Spektrum der Wissenschaft" ist der Autor seit vielen Jahren bekannt, einerseits aus seinen regelmäßigen Kolumnen mit mathematischen Unterhaltungen, andererseits aus seinen mehr als 80 fach- und populärwissenschaftlichen Büchern, von denen einige in dieser Zeitschrift rezensiert wurden. Der emeritierte Professor der University of Warwick (England) wurde mehrfach ausgezeichnet – vor allem wegen seiner Fähigkeit, Sachverhalte aus der Mathematik und ihren Anwendungsgebieten unterhaltsam und verständlich darzustellen.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen sind die Abschnitte des Buchs unabhängig voneinander lesbar. Die meisten verlangen keine besonderen mathematischen Vorkenntnisse, sind aber trotzdem auch für Mathematiker interessant. 150 "Geschichten" nehmen 320 Seiten in Anspruch, deren Lösungen einschließlich zahlreicher Literaturhinweise weitere 80 Seiten. Der aus dem Englischen übersetzte Text ist im Allgemeinen leicht verständlich, manchmal allerdings empfiehlt sich zweimaliges Lesen, um alle Feinheiten nachzuvollziehen. Dem Rezensenten ist nur ein offensichtlicher Übersetzungsfehler aufgefallen: die Verwechslung des Begriffs "Exponent" mit "Potenz". Warum die Übersetzer allerdings (ebenso wie die anderer Werke) "perfect squares" zu "perfekten Quadraten" gemacht haben statt schlicht zu "Quadratzahlen", bleibt ein Rätsel.

Wenn Soames ermittelt

Anders als der Titel vermuten lässt, besitzt nur rund jede fünfte Geschichte einen kriminalistischen Hintergrund – die anderen haben keinen Bezug dazu. Diese 29 Storys beleuchten die detektivische Arbeit des Gespanns "Hemlock Soames" und "Dr. Whatsup", die in der Bakerstreet 222 B leben – gegenüber von 221 B, dem Wohnort der berühmten Protagonisten aus den Erzählungen Arthur Conan Doyles (1869-1930). Und so wie Sherlock Holmes sich mit seinem Erzfeind Professor Moriarty konfrontiert sah, hat auch Hemlock Soames einen namens Professor Mogiarty.

Stewart entwickelt in seinen Detektivgeschichten eine reiche Fantasie und erweist sich als würdiger Nachfolger Doyles. Wer sich für mathematische Probleme interessiert und nichts dagegen hat, diese in Form fiktiver, humorvoller Kriminalfälle präsentiert zu bekommen, dem wird das Werk gefallen. In den "Erinnerungen des Dr. Whatsup" beispielsweise thematisiert Stewart die Suche nach den kleinsten Tripeln (a, b, c) und (A, B, C) von ganzen Zahlen, für die sowohl a·b·c = A·B·C gilt als auch a+b+c = A+B+C. Daraus entwickelt er eine Erzählung mit mysteriös verpackten Schachteln gleichen Volumens sowie ganzzahliger Länge, Breite und Höhe, die auf sieben Seiten ausgesponnen schließlich zur Klärung eines Mordfalls beitragen.

Hoch drei genommen und zusammengezählt

Etliche Geschichten basieren auf bemerkenswerten Eigenschaften von Zahlen. Unter anderem geht es darum, welches die kleinste natürliche Zahl ist, die sich auf genau drei (vier, fünf, sechs) Arten als Summe von Kubikzahlen darstellen lässt. Beeindruckend ist Stewarts Sammlung der Darstellungsmöglichkeiten natürlicher Zahlen nur allein mithilfe der Ziffer 1 (und zugelassener Operationen wie +, –, ·, :, √ etc.).

Der Autor hat offensichtlich den Überblick über alte und neue Ideen zur Unterhaltungsmathematik, und er hält seine Leser diesbezüglich auf dem Laufenden. Im vorliegenden Werk rät er, sich mit geomagischen Quadraten zu beschäftigen. Diese wunderbare Verallgemeinerung der seit Jahrtausenden bekannten magischen Quadrate stammt von dem britischen Ingenieur Lee Sallows (geb. 1944), und mittlerweile gibt es eine reichhaltige Literatur dazu.

Wer Stewart aus früheren Büchern kennt und schätzt, wird auch diesmal von der bunten Mischung aus logischen Rätseln, Knobelaufgaben, Paradoxien, Fehlschlüssen, Kartentricks, weiterentwickelten Sudokus, Anekdoten und merkwürdigen physikalischen Phänomenen begeistert sein. Wer den Autor zum ersten Mal liest, wird sich vermutlich weitere Werke von ihm anschaffen.