Auf gewohnt eloquente Weise lässt Sachbuchautor und Biologe Bruno P. Kremer die Leser an seinem Wissens- und Erfahrungsschatz teilhaben, den er in mehr als drei Jahrzehnten als Hochschullehrer angesammelt hat. Stets mit Blick auf das Thema Garten, vermittelt er quasi im Vorbeigehen jede Menge naturwissenschaftliche Fakten – auch und gerade an solche Hobbygärtner, die naturwissenschaftlich weniger bewandert, aber an Natur und Umwelt interessiert sind. Diese machen immerhin mehrere Millionen Menschen in Deutschland aus. Die Gesamtfläche an Gärten wird hierzulande auf 250.000 Hektar geschätzt, was in etwa der Größe des Saarlands entspricht.

Das 144 Seiten starke Bändchen ist hübsch nach alter Verlagstradition aufgemacht, mit Pappeinband und kolorierten Handzeichnungen. Es beginnt gemütvoll mit Plaudereien über den Paradiesgarten und einer Gedichtstrophe. Die entspannte Lesehaltung, die sich hier einstellt, lässt sich im weiteren Verlauf der Lektüre beibehalten, denn die Textabschnitte bleiben durchweg kurz, leicht verständlich und humorvoll formuliert. Kaum eine Seite lässt eine auflockernde Zeichnung, ein Bild oder eine Übersichtstabelle vermissen.

In der Sprache niedergeschlagen

Das erste Kapitel ist geprägt von Wortspielereien. Den Lesern begegnen hier alte deutsche Monatsnamen, die sich aus dem bäuerlich-gärtnerischen Jahreskreis heraus entwickelt haben, neben Redewendungen wie "in den sauren Apfel beißen" und etymologischen Zusammenhängen. "Ghorto" etwa war ein indogermanischer Begriff für "Eingehegtes, Umzäunung". Auch Kulturhistorisches hat dieser Abschnitt zu bieten – in Form eines kurzen Abrisses der Kräutergeschichte. Dazwischen spielt der Autor zwanglos mit Daten und Zahlen: über den Abstand des Gartenbodens zum Erdmittelpunkt oder zur Andromeda-Galaxie; über den Einzug der Jahreszeiten in Mitteleuropa, der je nach Breiten- und Längengrad um Tage abweichen kann; oder über die Winterdurchschnittstemperaturen seit 1781. En passant streift er hier das Phänomen des Klimawandels.

Die beiden folgenden Kapitel widmen sich den Lebewesen im Garten. Kremer nutzt die Gelegenheit, viele oft unbedarft benutzte Begriffe aus der Botanik sauber zu definieren. Denn etlichen Zeitgenossen ist unklar, worin beispielsweise der Unterschied zwischen Obst und Gemüse besteht, ob es sich beim Radieschen um eine Knolle oder um eine Rübe handelt, ob Rosen Dornen oder Stacheln besitzen, warum Pilze keine Pflanzen sind – und wann man von Nadelholz, Konifere beziehungsweise Nacktsamer spricht. Spannend zeigt der Autor auf, was hinter der Bezeichnung "Potsdamer Kartoffel" steckt, auf welche Weise sich Laub- und Blütenblätter aus ihren Knospen entfalten, welchen Teil der Brokkoli-Pflanze man eigentlich verspeist und wie groß eine Wiesenfläche sein muss, um die tägliche Atemluft eines Menschen zu produzieren. Auch Blumen-, Gemüse- und Kräuterlisten für einen gelungenen Bauerngarten gibt er seinem Publikum an die Hand.

Kreuchendes und Fleuchendes im Blumenbeet

Amüsant legt der erfahrene Didakt das zwiespältige Verhältnis zwischen Gartenliebhabern und ungebetenen Gartentieren offen. Spaß machen auch seine Berechnungen zur Sammelleistung eines Bienenvolks, sowie seine Erläuterungen zu Mondvogel, Ohrwurm und anderen Tieren. Für viele Leser überraschend dürfte die Einsicht sein, dass es nicht nur Sonnen-, sondern auch Vogel- und Schmetterlingsuhren gibt.

Das längste und detailreichste vierte Kapitel enthält Etliches über Gartenpraxis. Von der Anlage eines Kräuterbeets samt Tipps zum Konservieren der Kräuter über Empfehlungen darüber, welche Gemüsearten in enger Nachbarschaft angebaut werden sollten, bis hin zum Pro und Kontra des Umgrabens bleibt nichts ungeklärt. Immer wieder präsentiert Kremer Details aus Botanik und Bodenkunde, sei es zu pH-Werten, Nährstoffen, Lebens- und Ausbreitungsformen der Pflanzen, Wasseranomalien oder Bodenbildung. Gedanken und Sinnsprüche berühmter Persönlichkeiten beenden das Buch so stimmungsvoll, wie es begonnen hat.

"Das kleine Gartensammelsurium" setzt sich erfrischend ab von der kaum zu überschauenden Vielzahl bunter Hochglanz-Gartenratgeber. Es gibt Antworten auf Fragen, die man entweder immer schon hatte, oder die zwar interessant sind, auf die man aber kaum gekommen wäre (wieso duftet Erde?). Auch wenn das Werk seiner Kürze wegen nicht jedes Thema erschöpfend klärt, weckt es doch unweigerlich Interesse an dem großen Kosmos des Gärtnerns und lädt zur Eigenrecherche ein. Ein glückliches Unterfangen!