Mit der "dritten Welle" der Verhaltenstherapie fand auch die Schematherapie ihren Weg in die Praxis. Die zentralen Ideen dahinter haben die Psychotherapeutinnen Gitta Jacob und Frauke Melchers in diesem Ratgeber kompakt zusammengetragen. Er richtet sich nicht zwangsläufig an Patienten, denn jeder – so die Autorinnen – trage bestimmte Schemata in sich, also handlungsbestimmende Grundannahmen über sich selbst und die Welt. Auch seien jedem Mensch so genannte Schemamodi zu eigen, welche die in verschiedenen Situationen jeweils vorherrschenden Gesamtzustände beschreiben.

An zahlreichen, bunt gemischten Fallbeispielen zeigen Jacob und Melchers, unter welchen Umständen beispielsweise Kind- und Elternmodi zu Tage treten – und wann sie problematisch werden. Die Autorinnen fragen ihre Leser direkt: Kennen Sie das, einen Wutausbruch zu haben, ohne erklärbaren Anlass? Ängstlicher, trauriger, strenger mit sich selbst zu sein, als es eigent­lich nötig wäre? Die Figuren Tom, Anja, Alexander, Pia und viele andere begleiten den Leser durch den Text. Mit ihnen beschreiben die Psychotherapeutinnen sowohl Workaholics als auch Selbstkritiker, Schüchterne, Impulsive und Traurige. Dabei finden Jacob und Melchers eine Sprache, die respektvoll ist und nicht pathologisiert. Knapp, sachlich und frei von Fachvokabular erörtern sie nicht nur, wie man verschiedene Modi im Alltag enttarnen kann, sondern auch, was die Leser konkret tun können, um diese zu verändern. Die Idee dahinter sei einfach: Es gehe immer darum, "welche verletzten Bedürfnisse" hinter einem ungünstigen Verhaltensmuster stünden.

So gut die kompakte Einführung im theoretischen Teil gelingt, so wenig erfüllt sie ihren Zweck, wenn es um konkrete Werkzeuge und Handlungsimpulse geht. Jacob und Melchers bieten zwar eine ganze Palette an gängigen therapeutischen Techniken (darunter Imaginationsübungen und Atemtechniken) an – deren praktische Umsetzung dürfte manchen Leser im Alleingang aber ganz schön herausfordern. Unterm Strich bietet das Buch einen schönen Einstieg ins Thema für alle Interessierten und kann Betroffenen zumindest den Weg in die Therapie ebnen. Mehr konkrete Übungen wären allerdings hilfreich gewesen.