Obwohl die Metalle der Seltenen Erden eigentlich nichts mit Vitaminen und Gewürzen zu tun haben, kann man sie gut mit diesen Begriffen beschreiben. So wie Vitamine für den Organismus oft lebenswichtig sind, lassen sich auch Seltene Erdelemente (SEE) aus vielen technischen Anwendungen kaum noch wegdenken. Und ähnlich Gewürzen, die vielen Gerichten erst den rechten Geschmack verleihen, werten SEE viele Stoffgemische deutlich auf und verleihen ihnen zum Teil erstaunliche Eigenschaften.

Dieses Buch stellt die 17 Elemente aus der Gruppe der SEE vor – übersichtlich und gut gegliedert in acht Hauptkapitel. Die Autorinnen machen ihre Leser zunächst mit den naturwissenschaftlichen Grundlagen dieser Substanzen vertraut, um dann über deren geschichtliche Entdeckung, Nutzung, heutige Gewinnung und schließlich Recycling zu berichten. Man erfährt unter anderem vom Fund eines merkwürdig schweren und pechschwarzen Steins in der schwedischen Grube Ytterby im Jahr 1787 – Namensgeberin des später daraus isolierten Elements Yttrium. Lange Zeit war es sehr schwer, die Metalle der Seltenen Erden in Reinform zu gewinnen, bis schließlich brauchbare Analyse- und Trennmethoden zur Verfügung standen. In diesem Sinne verstanden die Chemiker des 18. Jahrhunderts die SEE auch als "selten": vom Wortsinn her nämlich als "seltsam" und nicht zwangsläufig "selten vorkommend" – einige dieser Elemente finden sich in der Erdkruste sogar häufiger als Blei oder Arsen, wenngleich ihre wirtschaftlich ertragreiche Gewinnung auf wenige Standorte beschränkt bleibt.

Glühstrümpfe und Zündsteine

Ihrer besonderen Eigenschaften wegen wusste man zunächst nicht recht, was man mit den Metallen der Seltenen Erden anfangen sollte. Inzwischen hat sich das grundlegend geändert, wie das Buch eindrücklich zeigt: Fanden sie anfangs nur in Nischenprodukten Verwendung, etwa in Glühstrümpfen von Gaslaternen oder in Zündsteinen von Feuerzeugen, sind sie heutzutage quasi allgegenwärtig. Magnete, Katalysatoren, Polituren, Leuchtmittel und viele mehr – sie alle lassen sich ohne die "Vitamine" der SEE kaum noch herstellen.

Dass dies auch Schattenseiten hat, belegen die Autorinnen eindrucksvoll – sei es die Abhängigkeit von wenigen Lieferanten (allen voran China), der Abbau unter umweltschädlichen oder widrigen Bedingungen, bizarre Anwendungen beispielsweise als Zusatzstoffe in der Tiermast oder das nach wie vor nicht befriedigend funktionierende Recycling.

Das Buch bietet zu all diesen Aspekten einen fundierten Überblick, der mit beachtlichen 335 Quellenangaben unterlegt ist. Die Expertisen der Autorinnen ergänzen sich sehr gut: Luitgard Marschall ist Pharmazeutin und Wissenschaftshistorikerin, Heike Holdinghausen ist "taz"-Redakteurin mit dem Schwerpunkt Chemikalien-, Abfall- und Rohstoffpolitik. Gemeinsam gelingt ihnen eine kompakte und verständliche Einführung in den "Gewürzschrank" der chemischen Industrie.