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Im Rhythmus der inneren Uhr

In dem Roman "Momo" erklärt der Straßenkehrer Beppo, welches Verhältnis zur Arbeitszeit er hat. Manchmal, meint er, habe man eine sehr lange Straße vor sich. "Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun, und zum Schluss ist man ganz aus der Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem." So solle man es nicht machen, sagt Beppo.

Aber wie dann? Das versucht Maximilian Moser, Professor für Physiologie und Chronobiologie an der Medizinischen Universität Graz, im vorliegenden Ratgeber zu beantworten. Im ersten Teil des Buchs stellt er sehr anschaulich vor, welche Erkenntnisse er und andere zur inneren Uhr gewonnen haben. Unter anderem erklärt er, weshalb Licht mit einem großen Blau-Grün-Anteil uns abends schlechter schlafen lässt, während rötliches unseren Schlummer nicht negativ beeinflusst. Zudem erläutert Moser, was es mit den Lerchen (Morgenmenschen) und den Eulen (Abendmenschen) auf sich hat und stellt interessante Zusammenhänge zwischen der inneren Uhr und der Darmflora vor.

Am Puls der Zeit

Im Zentrum steht für den Autor der Begriff Rhythmus: "Im praktischen Leben bedeutet Rhythmus Regelmäßigkeit im Tagesverlauf, beim Aufstehen, bei den Essenszeiten, beim Schlafengehen und so weiter. Auch Musik oder Trommeln ist Rhythmus, das Feiern von Jahresfesten, von Geburts- und Namenstagen. Atmen ist Rhythmus." Komme der Körperrhythmus durcheinander, etwa durch Jetlag oder Schichtarbeit, könne das in Unwohlsein oder Krankheiten resultieren. Das Buch enthält deshalb viele Tipps für eine rhythmische Lebensgestaltung und auch einige Übungen, die sich direkt ausprobieren lassen. Unter anderem bekommen die Leser die Aufgabe, Texte von Goethe und Schiller im Versmaß vorzutragen. Das trage zu einer rhythmischen Atmung bei, schreibt Moser.

Der Physiologie-Professor gibt viele praktische Tipps für den Alltag. So weist er darauf hin, dass viele Smartphones einen "Night Shift Modus" haben, der abends den Blauanteil im Licht des Bildschirms reduziert, so dass ein nächtlicher Blick auf das Gerät den Schlaf nicht stört. Außerdem empfiehlt er eine Website, von der man sich Programme entsprechender Funktion herunterladen kann.

Alles in allem ist das Buch leicht verständlich und gut lesbar. Der Autor argumentiert fachlich fundiert, im Vordergrund steht aber der Ratgebercharakter, der oft auf subjektiven Erfahrungen und Erkenntnissen Mosers beruht. Wer nach wissenschaftlich begründeten, kreativen Tipps zur eigenen Zeitgestaltung sucht, ist hier richtig. Wem der Sinn aber eher nach einem Fachbuch steht, der greift besser zu einem anderen Titel. Der Straßenkehrer Beppo jedenfalls hatte seine Antwort gefunden: "Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst Du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, den nächsten Atemzug, den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur den nächsten. (…) Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein."

44/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 44/2017

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