Hand aufs Herz, der Besuch beim Arzt erfolgt oft erst, wenn es dafür eigentlich schon zu spät ist. Ähnlich verhält es sich mit medizinischen Ratgebern: Sie sind nun wirklich keine Herzenssache. Gelesen werden sie meist nur, weil es Gründe gibt, sich um die eigene Gesundheit zu sorgen. Das muss nicht immer so sein. Bei diesem witzigen, aber dennoch seriösen Buch, das Felix Schröder und Nina Weber über unser "wichtigstes Organ" geschrieben haben, braucht es jedenfalls zur Lesemotivation keinen kardiologischen Befund. Neugier und Freude an niveauvoller Unterhaltung genügen, um sich der Lektüre mit großem Gewinn zu widmen.

Schröder ist Assistenzarzt am Herz- und Gefäßzentrum im Albertinen-Krankenhaus in Hamburg. Zur Arbeit fährt er – seinem Herzen zuliebe – mit dem Fahrrad. Auch Koautorin Nina Weber radelt durch Hamburg. Die studierte Biochemikerin ist Redakteurin für Medizin- und Wissenschaftsthemen bei "Spiegel Online". Somit kommt in dem Buch zusammen, was zusammengehört: solides Fachwissen und die Fähigkeit, darüber verständlich und fesselnd zu schreiben.

Kann Spuren von Humor enthalten

Um es gleich klarzustellen: Wer einen gewollt unterhaltsamen Stil, Stichwort "Infotainment", nicht leiden kann, dem wird dieses Buch viel Verdruss bereiten – womöglich bis hin zum kardiogenen Schock (starke Luftnot mit rasselndem Atemgeräusch, kalte Haut, kalter Schweiß und starke Schmerzen im Brustbereich). Wer das Leben jedoch ohnehin bereits ernst genug findet und einem Scherz daher nicht abgeneigt ist, der wird jede Menge Spaß an dem humorvoll servierten Detailwissen haben, das die Autoren hier unter oft sehr originellen Überschriften versammeln.

Die neun Kapitel befassen sich mit einem breiten Themenspektrum, schon erkennbar an den Oberzeilen: "Frauenherzen sind anders, Männerherzen auch", "Ist Kaffee gefährlich fürs Herz?", "Antikörper auf Kaperfahrt", "Das Geheimnis gesunder Raucher" oder auch "Überzeugen Sie sich – nicht Ihren Arzt!"

Wer es kurz und bündig mag, kommt vor allem bei den immer wieder eingestreuten "Steckbriefen" auf seine Kosten. Sie stellen "Das Babyherz", "Das alte Herz", "Das Sportlerherz", "Das vegetarische Herz" oder auch "Das Herz unter Druck" vor. Zwischenfragen vermitteln zusätzliche Informationen und steigern den Lesegenuss: "Frauen haben ständig kalte Füße – ist das auch eine Herzensangelegenheit?" oder "Was stellt das Kiffen mit dem Herzen an?". Wer sein angelesenes Wissen oder sein intuitives Verständnis testen möchte, kann das anhand spannender Quizfragen tun – natürlich stets mit mehren Antwortmöglichkeiten und nachfolgender Auflösung. Hier erfahren die Leser beispielsweise, dass alle roten Blutkörperchen, die ein Mensch im Körper hat (etwa 25 Billionen), aneinandergereiht rund 180 000 Kilometer weit reichen würden – die halbe Strecke zum Mond.

Nicht allem lässt sich vorbeugen

Nicht dass es in diesem lesenswerten Buch an gutem Rat zur Herzensgesundheit fehlen würde. Aber der naiven Vorstellung, wir könnten allein durch unser Verhalten zu lang anhaltender Gesundheit gelangen, widerspricht Schröder im Schlusswort energisch. Es gibt den sportlich-schlanken 40-Jährigen, der keinerlei Risikogruppe angehört und dennoch wegen Kammerflimmerns reanimiert werden muss. Es gibt aber auch den rauchenden und saufenden 87-jährigen Exmanager, der "sowohl psychisch als auch organisch zutiefst unbeeindruckt" einen Herzinfarkt übersteht.

Schön, dass Schröder und Weber sich nicht als Gesundheitsapostel oder Gurus der Kardiologie präsentierten. Bei all ihrer Lust am Fabulieren versäumen sie es nicht, Bau und Funktion des Herzens allgemeinverständlich darzustellen und zu erklären, was dem Organ schadet oder nützt.