Die Zeiten sind tubulent, überall greift Verunsicherung um sich. Das ist wenig erstaunlich angesichts von Terroranschlägen, Stellvertreterkriegen, Massenmigration, wieder erstarkenden nationalen Ressentiments und tiefgreifenden ökologischen Veränderungen. Angesichts dieser Entwicklungen möchte die Psychologin Verena Kast erklären, warum Angst und Hass auf dem Vormarsch sind. Die emeritierte Professorin leitet das C.-G.-Jung-Institut in Zürich und hat sich als Sachbuchautorin einen Namen gemacht.

In dem Buch konzentriert sie sich auf die psychologischen Faktoren, die (Fremden-)Hass und Angst vor Veränderungen begünstigen. Gesellschaftliche Prozesse erwähnt sie nur am Rande. Leider stellt Kast nur an wenigen Stellen einen Bezug zu aktuellen Entwicklungen her, was bei einem solchen Werk sehr erstaunt. Stattdessen beschreibt sie biografische Muster, aus denen sich destruktiver und beständiger Hass entwickeln kann – etwa wiederholte Zurückweisung in der Kindheit. Zudem erfahren die Leser beispielhaft, wie die Psychoanalytikerin verschiedenen Patienten in ihrer Praxis half, mit schwer kontrollierbaren Emotionen umzugehen.

Nach der Lektüre bleibt man etwas ratlos zurück, hat man doch kaum konkrete Ansätze vermittelt bekommen, wie man Menschen begegnen kann, die Angst und Hass auf das Fremde und Unbekannte schüren. Dieser Frage widmet sich Kast erst auf den letzten 20 Seiten – und liefert damit enttäuschend wenig. Vage ruft sie zu mehr Empathie auf und erinnert daran, dass wir zuallererst bei uns selbst damit anfangen müssen, die Quellen von Angst und Hass zu erkennen und zu überwinden. Da wünscht man sich als Leser(in) deutlich mehr.