Wie Wissenschaft und Öffentlichkeit miteinander umgehen sollten, ist Gegenstand intensiver Debatten, teils mit moralischem Unterton. Auch was Wissenschaftskommunikation ist, wird diskutiert: Gehört Wissenschaftsjournalismus dazu? Schadet Wissenschaftskommunikation der Wissenschaft vielleicht sogar? Gut, wenn es Einführungswerke wie das vorliegende gibt. Den beiden Autoren gelingt es recht passabel, die Facetten auf knapp 300 kleinformatigen Seiten strukturiert unterzubringen und dabei nicht zu sehr Partei zu ergreifen. Sie machen deutlich, mit wie vielen Bereichen Wissenschaftskommunikation zu tun hat: Politik und Politikberatung, Bildung und Schule, Journalismus und Medien, öffentlichen Debatten und gesellschaftlichen Entwicklungen, dem aktuellen Wissenschaftssystem – aber auch der Sozial- und Individualpsychologie, die sich mit gesellschaftlichem "Kitt" wie Vertrauen, Akzeptanz und dem Umgang mit Tatsachen befassen.

Berufliche Fallstricke

Die Autoren teilen ihr Buch in drei Schwerpunkte. Zunächst stellen sie einige Schlüsselkonzepte vor, indem sie etwa Basisbegriffe wie "Erklärung" hinterfragen: Etwas wirklich zu erklären ist sprachlich und kognitiv manchmal fast unmöglich; häufig entsteht bei den Rezipienten nur eine Verstehensillusion. Eine zentrale Aufgabe der Wissenschaftskommunikation wird damit schwammig, und es ist den Autoren hoch anzurechnen, dass sie diesen "falschen Freund in der Wissenschaftskommunikation" beherzt angehen. Noch überzeugender wäre es gewesen, wenn sie auch andere falsche Freunde aufgespießt hätten, etwa den viel beschworenen "Nutzwert", der den Spagat hinzubekommen versucht, aus wissenschaftlichen Ergebnissen bestimmte Ratschläge zu formen. Es gibt gute wissenschaftstheoretische Gründe, Erkenntnis und Empfehlung auseinanderzuhalten – dessen müssen sich Kommunikatoren bewusst sein.

Einen weiteren Teil widmen Weitze und Heckl den "Akteuren und Ansätzen". So wenig spezifisch wie der Titel ist die Themenauswahl. Zum einen beleuchten die Autoren hier verschiedene Kommunikatoren, etwa Forscher, die "nach außen" hin in Austausch treten, aber auch Journalisten. Merkwürdigerweise geben sie der Wissenschafts-PR kein eigenes Kapitel, obwohl diese doch als Akteurin enorm erstarkt und kontrovers wahrgenommen wird. Zum anderen hinterfragen die Autoren hier Grundkonzepte wie den "Dialog" zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, der sich jüngst zum Credo entwickelt hat.

Den dritten Buchteil bilden Fallbeispiele für besonders polarisierende (Klimawandel) oder mit hohem Vertrauensverlust (Atomkraft, Gentechnik) verbundene Themen.

Unklare Stoßrichtung

Ein Pluspunkt des Werks ist, dass es für eine Wissenschaft der Wissenschaftskommunikation plädiert und sich häufig auch auf entsprechende Ergebnisse bezieht. Schön wäre es gewesen, dies noch konsequenter auf das eigene Werk anzuwenden und klarer zu kennzeichnen, welche Aussagen im Buch forschungsbasiert sind und welche nicht. So benennen die Autoren im Kapitel über Verständlichkeit fast gar keine aktuelle Forschung (bis auf eine Ausnahme) und heben stattdessen auf Erfahrungsberichte von Praktikern ab.

Alles in allem entfaltet das Buch ein interessantes Feuerwerk. Der rote Faden fehlt jedoch ein wenig. Nach welchen Kriterien die Autoren ausgewählt und gewichtet haben, erschließt sich nicht immer. Auch erscheinen die eingestreuten Kästen sehr heterogen: Mal erhält man hier valide Grundlagenkenntnisse, dann wieder einen unterhaltsamen Kommentar. Zudem zeichnen sich Zielgruppe und Kommunikationsziel nicht deutlich ab. Soll das Werk ein Leitfaden sein? Wenn ja, für Praktiker oder Studierende? Im Sinne einer thematischen Einführung wäre weiterhin eine klarere Begrifflichkeit nötig gewesen; so ist Wissenschaftsjournalismus kein Medium, wie im Vorwort behauptet.

Auch wenn das Buch mit guten Überlegungen aufwartet, gehen Praxiswissen, Forschungsdebatten und Anekdotisches zu munter durcheinander. Eine anregende und knappe Einstiegslektüre liefert es trotzdem – welche die Leser hoffentlich nicht mit der Illusion entlässt, sie hätten nun alle Grundzüge begriffen. Die offenen Fragen könnte sie aber mit Hilfe der wohlsortierten Literaturliste angehen.