Auf den ersten Blick ist dieser Band, verfasst vom Psychologen und systemischen Familientherapeuten Thomas Köhler-Saretzki und bebildert von der Illustratorin Anika Merten, ein Kinderbuch. Die großformatigen Szenen und die zum Vorlesen geeignete, einfache Sprache sprechen ganz klar dafür. Nur das Thema scheint nicht recht zu passen: Es geht um kindliche Beziehungsmuster.

Am Beispiel der fiktiven Kindergartenkinder Fabienne, Klaus, Lilith und Karl-Heinz erklärt der Autor die vier Bindungsstile "sicher", "vermeidend", "ambivalent" und "desorganisiert", die auf der Bindungstheorie des britischen Psychiaters John Bowlby beruhen. In bunten Bildern porträtieren Köhler-Saretzki und Merten den typischen Familienalltag der Kleinen und die Folgen dieser frühen Erfahrungen. Klaus beispielsweise war von Anfang an häufig allein und musste schon als Baby lernen, dass oft niemand da ist, um ihn zu trösten. Heute hat er einen vermeidenden Bindungsstil. In der Kita spielt er meist für sich, wendet sich selten an die Betreuer und zeigt wenig Gefühle, wenn seine Mutter ihn abholt. Die neue Erzieherin Friederike müsse Klaus nun Zeit geben, sich auf sie einzulassen, und regelmäßig von selbst Interesse an dem Jungen zeigen, auch wenn dieser nicht von sich aus nach Zuwendung verlangt, erklärt Köhler-Saretzki.

Laut der Angabe auf dem Cover richtet sich das Buch an Eltern und Fachkräfte. Am ehesten ist es wohl für junge Erzieher und Berufs­anfänger in sozialpädagogischen Berufen geeignet, die auf unterschiedliche Kinder optimal eingehen und die Hintergründe eines bestimmten Verhaltens verstehen möchten. Allerdings irritiert der kindliche Ton des Fachbuchs, richtet es sich doch ganz eindeutig an Erwachsene.