»Zwang verschafft die Illusion von Sicherheit und Gesundheit«, schreibt Burkhard Ciupka-Schön in seinem Ratgeber. Wohlgemerkt nur die Illusion, denn Menschen, die an einer Zwangsstörung erkrankt sind, leiden – und ihr Umfeld leidet mit. Zwänge können sich auf vielerlei Weise äußern, weiß der erfahrene Psychotherapeut: von übertriebenem Kontrollieren des Türschlosses über exzessives Händewaschen bis hin zum Sammeln von Abfall, bis die Wohnung nicht mehr betreten werden kann. Der Autor berichtet von der Arbeit in seiner Praxis und schildert dabei unter anderem, wie wichtig es sei, dass die Patienten lernen, ihre Anspannung auszuhalten, statt sich mit Zwangshandlungen kurzfristig Erleichterung zu verschaffen.

Der Band liefert Hintergrundinformationen zu Ursachen und Verlauf der Störung, bietet persönliche Erfahrungsberichte und richtet sich laut dem Autor sowohl an Betroffene als auch an Behandler. Allerdings ist der Aufbau nicht immer optimal. So verwendet Ciupka-Schön duchgängig den Begriff "Reizkonfrontation", erklärt ihn aber erst in der zweiten Hälfte des Buchs laiengerecht. Wer sich von der Lektüre konkrete Selbsthilfe-Empfehlungen verspricht, wird enttäuscht. Das Buch bietet dennoch Orientierung im Behandlungsdschungel. Beispielsweise legt der Psychotherapeut auf den letzten Seiten dar, wie man den richtigen Behandler findet, welche Medikamente in Frage kommen und unter welchen Umständen die stationäre Behandlung in einer Fachklinik sinnvoll ist.