Warum richten wir Teleskope gen Himmel? Stünden wir nur staunend vor glänzender Teleskoptechnik, die uns beschäftigt hält, dann hätte der Sternenhimmel an Glanz verloren. Ohne Frage ist der US-amerikanische Amateurastronom John Dobson der richtigen Antwort ein gutes Stück näher wie kaum ein anderer. Neil English, Doktor der Biochemie und Astrophysiker, ist Verfasser des Buchs "Choosing and Using a Dobsonian Telescope".

Es hat das Ziel, dem Leser die Person John Dobson vorzustellen sowie die globale Anziehungskraft seiner Erfindung zu verdeutlichen. Das Buch möchte dem Leser behilflich sein, eigene individuelle Wünsche, die er an die Beobachtung stellt, klar zu umreißen. Erst so lässt sich die richtige Entscheidung bei der Auswahl des Teleskops und der Accessoires treffen. Der Autor hat noch anderes im Sinn, nämlich frühere "Dobsonauten" für das Dobson-Teleskop zurückzugewinnen, denn er hatte beobachtet, dass die Vorzüge des Dobson-Teleskops nicht voll ausgeschöpft oder vorschnell eine falsche Auswahl getroffen wurden. Trotz einer teilweise schlechten Abbildungsqualität hat das Buch diese Ziele erreicht.

Da aber Amateurastronomen zum Dobson-Teleskop zurückgewonnen werden sollen, wundert mich diese Nachlässigkeit. Die Teleskope und viele dazu nötige Accessoires wurden überwiegend getestet. Die Testberichte wirken authentisch, da mit Kritik und Tipps nicht gespart wurde, Preise werden auch genannt. Die Veröffentlichung gliedert sich in zwei Teile: Der erste Teil stellt zunächst die Geschichte von John Dobson vor. Seine Idee brachte – nicht zuletzt durch technische Weiterentwicklungen – einen weltweiten Markt in Gang, sie ist heute in der Amateurastronomie das wirtschaftlich stärkste Segment. Vom kleinsten bis zum leistungsstärksten Dobson-Teleskop stellt der Autor ausgeklügelte Eigenbauten und eine Vielzahl an Modellen vor, die über die Ladentheke gehen. Natürlich deckt die Auswahl nicht alle Anbieter von Dobson-Teleskope und den dazugehörigen Accessoires ab, da der Fokus auf die anglosprachige Astroszene gerichtet ist.

Die Technik hat auch beim Dobson-Teleskop ihren berechtigten Platz. Welchen Einfluss hat die Form und Zahl der Haltearme des Sekundärspiegelhalters auf die Abbildungsqualität? Im gleichen Atemzug geht der Autor auf die Obstruktion – die Abschattung des Hauptspiegels durch den Fangspiegel und seine Halterung – ein. Hierzu ein interessanter, für die Newton-Optik sehr schmeichelnder Vergleich mit anderen Teleskoptypen: Nur das Maksutow-Newton-Teleskop hat eine noch geringere Abschattung. Zur Beurteilung der Qualitätsgüte einer Optik erläutert der Autor die fünf Seidel-Abbildungsfehler: sphärische Aberration, Astigmatismus, Koma, Bildfeldwölbung und Verzeichnung. Zudem behandelt er den Wellenfrontfehler und das Strehl-Verhältnis (Definitionshelligkeit). Zudem stellt English Okularauszüge für "normale", aber auch sehr kurze Brennweiten vor.

Der Autor zeigt auch sehr gut die Anwendungsbereiche der verschiedenen Öffnungsverhältnisse. Auch auf die unterschiedlichen Wege, wie die optischen Elemente der Teleskope sicher gehalten werden, geht der Autor im Detail ein: Hier ein Volltubus, da eine Gitterrohr-Konstruktion, die Einsatzbereiche sind unterschiedlich und wurden prägnant dargestellt. Halten Modelle, deren Tubus zum Transport zusammengeschoben werden, die Kollimation, also die exakte Justage der Spiegelelemente zueinander? Keiner will schließlich die Katze im Sack kaufen.

Verschiedene Hersteller verbauen Montierungen mit einer "PushTo" oder noch besser mit einer "GoTo"-Ausstattung. Der Autor stellt die jeweiligen Features mit bis zu 42 000 abgespeicherten Objekten vor. Portable Acht- bis Zehn- Zöller, Ausfertigungen, die teils als Handgepäck am Airport zugelassen sind, lassen manches Herz höher schlagen. Im zweiten Teil des Buchs behandelt Neil English unter anderem die Schwächen in der Optik der Newton-Teleskope. Als erstes Gegenmittel gegen unscharfe Bilder gelten Komakorrektoren bei denen verschiedene Hersteller mit ihren Hightech-Linsen aufwarten. Im Anschluss daran nimmt der Autor Okulare bis zum Weitwinkelglas, Zoom, Barlow-Linsen sowie Filter für die Beobachtung von Mond, Planeten und Deep-Sky-Objekten unter die Lupe.

Ein Kapitel bringt für manchen Anwender eine Problematik auf den Punkt: Das Dobson-Instrument ist mobil, lichtstark und einfach in der Handhabung, aber seine Nachführung geschieht traditionell nicht motorbetrieben. Das Buch ermuntert dazu, über eine äquatoriale Plattform oder eine "GoTo"-Nachführung nachzudenken und stellt einige Konstruktionen vor. Ein Nischenmarkt, bei dem eine Internetrecherche einige Innovationen zu Tage fördern kann, so der Autor.

Schließlich erreicht Neil English die Königsklasse in der Fotografie: Imaging with Your Dob! Im Bereich von Mond- und Planetenaufnahmen stellt er relativ einfache Methoden vor, die ans Ziel führen. Wünscht der Leser Informationen zu lang belichteten Deep-Sky-Astroaufnahmen, so wird er leider nur zwei Textseiten vorfinden. Stattdessen wird ein ausgereifteres »GoTo«-System mit Tracking Funktion vorgestellt, dass in die Dobson-Montierung integriert wird. Hierbei muss die Bildfeldrotation separat am Teleskop korrigiert werden, da es sich weiterhin um eine azimutale Montierung handelt. Das bringt, wie erklärt wird, Einschränkungen mit sich.

Als alternative Möglichkeit wird eine äquatoriale Plattform aus Ganzmetall vorgeschlagen. Konstruktiv jedoch ließe sich das Verhältnis zur Brennweite des Dobson-Teleskopes noch günstiger gestalten. Außerdem würde ein adäquater Antrieb, wie in wertigen parallaktischen Montierungen, gute Dienste leisten. Mein Resümee: Den Leser erwartet ein abwechslungsreiches Werk und wertvolles Werkzeug zum Dobson-Teleskop. Trotz des etwas hohen Preises ist ein Kauf durchaus empfehlenswert, denn das Buch gibt einen umfangreichen Überblick zum Dobson-Teleskop und die Informationen dazu müssen erst mal zusammengetragen werden. Schon das gut angelegte Inhaltsverzeichnis führt den Leser überlegt durch das Thema.

Natürlich könnte für den "Fire starter" John Dobson in dieser Veröffentlichung schon wieder zu viel Kabel verlegt worden sein, da der Schnickschnack von dem wunderbaren Anblick des Universums stark ablenken könnte. Machen wir ihm den Gefallen und beobachten ganz bewusst im Sinne eines John Dobson. Was spricht dagegen? Er hat das verdient!