Kometen ziehen seit Menschengedenken die Betrachter in ihren Bann, was zu einer umfangreichen Literatur geführt hat. So ist es nur folgerichtig, dass ihnen im Rahmen einer Buchserie über astronomische Objektklassen und ihre Beobachtung ein Band gewidmet wird. Buchautor ist Richard Schmude, Dozent im Fachbereich Chemie und Chemische Physik, der in der Kometengemeinde bislang nicht aufgefallen ist.

Der vorliegende Band gliedert sich in fünf Kapitel. Im ersten Kapitel gibt der Autor einen allgemeinen Überblick über Kometen. Allerdings konzentriert er sich dabei in zu großem Maße auf dieKometenbahnen. Bezüglich der Helligkeitsbestimmung macht er den Fehler, die Genauigkeit visueller Schätzungen mit 0,5 mag anzusetzen, während er CCD-Kameras eine solche von 0,01 mag zubilligt. Dies stimmt für stellare, nicht aber für ausgedehnte Objekte. Auch die Erklärung für das Auftreten eines Gegenschweifs ist falsch. Sehr verständlich geschrieben ist hingegen der Abschnitt über die Freisetzung der unterschiedlichen Gase eines Kometen als Funktion der Temperatur.

Im zweiten Kapitel behandelt der Autor ausführlich die vier ersten von Raumsonden besuchten Kometen 1P/Halley, 9P/Tempel, 19P/Borrelly und 81P/Wild. Es werden die geologischen, morphologischen, physikalischen und chemischen Besonderheiten verständlich herausgearbeitet.

Die drei folgenden Kapitel widmen sich der Kometenbeobachtung, unterteilt in Beobachtungen mit dem Auge und Fernglas, sowie mit kleinen und großen Instrumenten. Zu Beginn werden jeweils die Instrumenteneigenschaften und -kenngrößen in aller Breite behandelt.

Die visuelle Beobachtung steht klar im Vordergrund. Leider berücksichtigt der Autor internationale Beobachtungsstandards in nur geringem Maße. Stattdessen misst er eigenen Überlegungen ein zu großes Gewicht bei. Im Abschnitt über die Bestimmung der Gesamthelligkeit eines Kometen gibt der Autor sowohl für die Schätzmethoden als auch für die Vergleichssternkataloge völlig falsche Empfehlungen ab. Die Tafel zur Bestimmung des Koma-Kondensationsgrads ist wenig hilfreich, und die Extinktionstabelle ist vom Autor selbst errechnet, obwohl es international definierte Tabellen gibt.

Die visuelle Positionsbestimmung erhält breiten Raum, während auf die Astrometrie via CCD nur kursorisch einsolaren gegangen wird. Ähnlich knapp wird die Bestimmung der Schweiflänge und des Positionswinkels dargestellt, während die recht unorthodoxe Bestimmung des Öffnungswinkels breiten Raum einnimmt. Im Abschnitt über spektrale Beobachtungen werden die Grundlagen ausführlich und verständlich präsentiert, die Praxis kommt aber zu kurz.

Das Literaturverzeichnis ist auf den ersten Blick beeindruckend umfangreich. Tatsächlich aber umfasst es ganz überwiegend Artikel aus einer eher kleinen Zahl an englischsprachigen astronomischen Publikationen.

Das Buch hinterlässt bei mir einen zwiespältigen Eindruck. Zuvorderst scheint sich der Autor keine ausreichenden Gedanken über die Zielgruppe gemacht zu haben. So werden in manchen Abschnitten Grundlagen auf Anfängerniveau auführlich dargestellt, um dann im nächsten Abschnitt hochkomplexe Sachverhalte knapp abzuhandeln. Negativ fällt im gesamten Buch die Liebe zur deskriptiven Statistik auf. Das Buch wimmelt von Diagrammen, die aber vielfach zum Verständnis der Kometen oder ihrer Beobachtung eher wenig beitragen. Und bezüglich der im Titel angesprochenen Beobachtungstipps lässt das Buch etliches zu wünschen übrig.

Ein langjähriger Kometenfreund mit einem Interesse an physikalisch/chemischen Sachverhalten kann in diesem Buch wertvolle Informationen und Tabellen finden. Allen Lesern, die an einer umfassenden Grundlagendarstellung interessiert sind, möchte ich aber gelungenere Darstellungen empfehlen. Und wer Kometenbeobachtung ernsthaft betreiben möchte, sollte sogar einen Bogen um dieses Buch machen und eher einen Internetblick auf die entsprechenden Publikationen der VdS-Fachgruppe Kometen werfen.