Die Eiszeiten sind kein Schnee von Gestern, denn ihr Zeitalter ist noch nicht vorbei – im Gegenteil, es dauert auch heute noch an: Gerade die jüngste Erdgeschichte stellt sich als Zeitalter mit enormen Klimaschwankungen dar, die stets starke Auswirkungen auf das Leben der Erde hatten. Und wir sollten angesichts drohender, selbst verursachter Klimaänderungen unsere Lehren daraus ziehen.

Auf diesem Weg hilft uns Jürgen Ehlers mit seinem Buch „Das Eiszeitalter. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet er als Quartärgeologe am Geologischen Landesamt Hamburgs und gilt als einer der besten Kenner der Eiszeitgeologie in Deutschland. Wer könnte also besser die komplexen Zusammenhänge darstellen, die sich unter dem weitläufigen Begriff Eiszeitalter verbergen?

Das fängt schon beim Ablauf dieses Zeitalters und seiner Untergliederung an. Die süddeutschen Quartärgeologen verwenden zum Beispiel ganz andere Begriffe als ihre norddeutschen Kollegen, doch das Buch umschifft diese Klippen mühelos. Schnell wird man vertraut mit der Dynamik eines Gletschers, mit seinen vielfältigen Ablagerungen, die für unser heutiges Landschaftsbild hier im Norden Europas von großer Wichtigkeit sind, mit den Erscheinungen des Permafrostes und den Spuren des Eiszerfalls. Vieles wird einem besser verständlich, wenn man die Entstehungsgeschichte unserer Heimat kennt. Warum fließen beispielsweise Rhein und Elbe in die Richtung, wie sie es heute tun? Man wird nach der Lektüre immer wieder und vor allem immer öfter selber viele Phänomene entdecken. Dabei helfen viele gute Abbildungen aus dem Fundus des Autors.

Mit seinen vielen und teilweise extremen Klimaschwankungen kann uns das Pleistozän mit seinen großen Eiszeiten – zwischen denen es teilweise wärmer war als heute – auch eine Lehre bezüglich unserer eigenen Zukunft sein. Schließlich drehen wir gerade kräftig am Klimasystem der Erde: Hier helfen Klimamodelle, unsere Vergangenheit besser zu verstehen und unsere Zukunft besser einzuschätzen.

Gut geschrieben und reich bebildert wendet sich das Buch vornehmlich an Fachleute, Studierende und interessierte Laien. Dabei wäre es schön gewesen, wenn im Text deutlicher auf die betreffenden Abbildungen verwiesen wäre, auch wenn sich vieles selbst erklärt. Oft werden interessante Themen "am Rande" in kleineren Kästchen abgehandelt, die anderweitig untergegangen wären. Mit der Fülle an Daten, Luftbildern, Karten und Illustrationen kann man sich lange beschäftigen und immer wieder neue Informationen gewinnen. Die verwendete Literatur umfasst die Eiszeitforschung der letzten 200 Jahre und ist auf dem neuesten Stand. Das macht eine weitergehende Vertiefung für Interessierte einfach. Insgesamt gibt dieses Buch einen hervorragenden Überblick über den Stand der Erforschung des Eiszeitalters, und es ist für jeden, der sich für die jüngste geologische Vergangenheit interessiert, zu empfehlen