Wo liegt die Schatzinsel aus Robert Louis Stevensons gleichnamigem Roman? Als Vorlage gilt vielen die Kokosinsel, ein altes Piratennest vor der Pazifikküste Costa Ricas. Dort befiel auch Ina Knobloch das Schatzfieber, als sie 1988 bei der Recherche für einen Reiseführer auf dem Eiland landete.

Zwei Jahrzehnte stöberte sie in Archiven rund um den Globus und brach zu weiteren Expeditionen auf die Kokosinsel auf. Die Ergebnisse ihrer nun dokumentierten Nachforschungen lassen Stevensons Klassiker in anderem Licht erscheinen und brachten sie selbst auf die Spur eines der größten Piratenschätze aller Zeiten – des Kirchenschatzes von Lima.

Ließ sich womöglich auch Stevenson von der Jagd nach dem Gold der Kokosinsel inspirieren? In den USA machten die Expeditionen zu dem Eiland während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Schlagzeilen und dürften auch dem Autor, der um 1880 in San Francisco als Journalist arbeitete, nicht entgangen sein. Tatsächlich stieß Knobloch auf erstaunliche Übereinstimmungen zu den historischen Quellen und spürte dabei sogar einen vermeintlichen Schlüssel zum Versteck des Schatzes auf.

Die Autorin ist von Haus aus Botanikerin. Vielleicht gelingt es ihr deshalb, dem Leser die Naturwunder der Kokosinsel so anschaulich vor Augen zu führen. Vor allem aber ist Knobloch eine gute Geschichtenerzählerin – ihre lebendigen Sprachbilder wecken die Sehnsucht nach Abenteuern; spielend überbrückt sie die Kluft zwischen überlieferten Fakten und Südseelegenden.

Und der Schatz? Der liegt noch immer auf der Kokosinsel, davon ist Knobloch überzeugt – obwohl sie kein Gold vorweisen kann. Denn die gezielte Suche nach verborgenen Schätzen ist auf dem Eiland mittlerweile verboten.

Bedenkt man das traurige Schicksal manches Glücksritters, der für seine Goldgier mit dem Leben zahlte, bleibt es daher vorerst dabei: "Nur einem einzigen haben der Schatz und die Insel Glück, Ruhm und Reichtum beschert: Robert Louis Stevenson."