Um es vorweg zu sagen: Dieses Radio hätte ich einfacher haben können. Denn das Grundig-Radio Modell 2012 stand lange Jahre in der Werkstatt meines Großvaters auf einem Regal. Beharrlich hörte er damit Bayern 1, was mich als Kind eher abschreckte. Als er verstorben war und seine Werkstatt aufgelöst wurde, entsorgten wir leider auch das Radio, das heute sicherlich Kultcharakter hätte. Aber zum Glück kommt ja alles irgendwann wieder, und so fand das "große Retro Radio Baubuch" von Franzis den Weg auf meinen Schreibtisch: das Modell 2012 im Kleinformat und zum Eigenbau mit praktischem Handbuch.

Sollte es mir mit zwei Händen gelingen, dieses Stück Technik zusammenzusetzen? Neben den mitgelieferten Bauteilen wie Lautsprecher, Steckbord, verschiedenen Widerständen und Spulen, Empfänger und Transistor benötigt man hierfür nur noch wenig Eigenmaterial, die in jedem Haushalt vorhanden sein sollten: eine Batterie, ein kleines Messer, eine Schere, ein Schraubenzieher und Doppelklebeband. Danach geht es mit der Bauanleitung Schritt für Schritt an den Zusammenbau – nahezu idiotensicher mit Abbildungen, was wie zusammengehört und wo es befestigt werden muss. Das dafür nötige (ebenfalls mitgelieferte) Steckboard ist dazu wie die Felder beim Schiffeversenken-Spiel aufgebaut, und der Anleitung liest sich dann zum Beispiel "Bauen Sie den Widerstand 100 Ohm (braun, schwarz, braun – ein zusätzlich hilfreicher Farbkode) von A16 nach X20 ein"- wirklich kinderleicht. Nichts muss gelötet oder sonstwie mit "schwerem" Gerät verarbeitet werden. Die Bauteile sind allerdings recht klein, man sollte also doch etwas Fingerspitzengefühl mitbringen und sollte nicht gleich verzweifeln, wenn der Einbau nicht auf Anhieb funktioniert.

Jeder größerer Schritt der Bauanleitung wird dazu auf einer Doppelseite abgebildet, so dass auch genügend Platz bleibt, um die technischen Einzelheiten des Retro-Radios zu beschreiben. So erfährt ein technisch nicht ganz bewanderter Leser wie ich auf die Schnelle, wie ein Transistor funktioniert, was ein Kondensator kann oder wie der Lautsprecher aufgebaut ist – und alles großzügig bebildert. In insgesamt 20 Schritten gelangt man dann am Ende zu seinem eigenen kleinen Radio, dessen Empfang natürlich nicht mit heutigen Hightech-Geräten verglichen werden kann, aber der durchaus passabel ist. Das gilt zumindest abends und in der Nacht, denn das Retro-Radio empfängt nur Mittelwelle, deren Empfang tagsüber meist eingeschränkt ist und von Rauschen überlagert wird. Immerhin gibt es im Anhang eine Sendertabelle, in der zahlreiche deutsche und europäische sowie ein paar arabische Sender mit ihren Frequenzen aufgeführt sind.

Vor der eigentlichen Bauanleitung finden sich im Begleitbuch zudem noch einige Seiten zur Geschichte des Radios, seiner Funktionsweise und zur Firma Grundig, die mit dem Radio groß wurde, aber leider den rasanten technischen Fortschritt zum Ende des letzten Jahrhunderts nicht überlebte. Alles in allem ist das "Retro-Radio" ein nettes Geschenk für Radiofreunde und Bastler, die gerne einen verregneten Sonntagnachmittag dazu nutzen, ein Stück Technikgeschichte selbst nachzuvollziehen.