Etwas von Allem, Bitte!
Das Schicksal des Universums – dieser Titel klingt nicht gerade bescheiden. Er bringt einen Absolutheitsanspruch mit sich, der nicht leicht zu erfüllen ist. Umso beeindruckender, dass Günther Hasingers Buch voll und ganz einhält, was sein Titel verspricht. Es beschreibt die Geschichte des Kosmos vom Urknall bis weit in die Zukunft – und zwar spannend, fundiert und strukturiert.

Der Autor, Direktor am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, gilt als einer von Deutschlands Topastronomen. Sein Buch ist in jeder Hinsicht gelungen, es beginnt beim Urknall und geht chronologisch durch die Geschichte des Universums. Hasinger schildert die Frühphasen des Alls, die Entstehung der Materie und die Bildung von Sternen und Galaxien. Er beschreibt die Zukunft des Kosmos – wie sich die Verteilung der Materie ändert, wohin sich Sterne und Galaxien entwickeln und was in allerfernster Zukunft passieren wird. Am Ende steht ein kompakter Überblick sowie die Frage, ob in diesem Wissensgebäude Platz für einen Gott bleibt.

Ganz Wissenschaftler, behandelt Hasinger das Thema äußerst sachkundig und sorgfältig. Das machen andere Forscher, die populäre Bücher schreiben, zwar auch. Was Hasinger jedoch auszeichnet, ist sein Erzählstil, der die Lektüre seines Werks zum spannenden Erlebnis macht. Hoch anzurechnen ist ihm, dass er auch die menschliche Seite der Forschung beleuchtet, indem er Anekdoten von berühmten Wissenschaftlern einstreut.

Das Werk ist ein Ritt durch die moderne Kosmologie, Teilchen- und Astrophysik. Da kann nicht ausbleiben, dass es zum Teil fachlich anspruchsvoll ist – etwa, wenn es um die Anfänge des Universums geht. Dafür bekommt der Leser aber einen gründlichen Einblick in die Forschung und erkennt Zusammenhänge. Wer sich für die großen Fragen unserer Zeit interessiert, der sollte "Das Schicksal des Universums" unbedingt lesen.

Fünf-Sterne-Fast-Food- Kosmos

"Groß" soll sie sein, die "Himmelskunde" von Dieter B. Herrmann. Dieser Titel verwundert, denn das Buch ist weder besonders großformatig noch umfangreich. Wirklich großartig hingegen sind viele der Videoschnipsel auf der beiliegenden DVD. So zum Beispiel ein spektakulärer Zoom in den Orionnebel oder ein Film über offene Sternhaufen und Kugelsternhaufen. Dabei ist die DVD mehr als nur eine bloße Zugabe, denn der Verlag hat sich die Mühe gemacht, mit kleinen Bildern im Buch auf den Film der DVD hinzuweisen, der den Text sinnvoll ergänzt.

Die "Himmelskunde" selbst führt in einem "klassischen" Aufbau fundiert quer durch die Astronomie: von den Grundlagen über das Sonnensystem zu den Galaxien bis hin zum Universum als Ganzem, um schließlich mit astrobiologischen Spekulationen einen faszinierenden Schlusspunkt zu setzen. Dabei geht die Darstellung nicht besonders tief: Wichtige Aspekte wie beispielsweise die spektrale Zerlegung des Lichts oder der Dopplereffekt werden gerade mal auf zwei Seiten abgehandelt.

Da der Autor dem Leser wenig zumutet, kann er ihm auch nicht viel erklären, und daher bleibt das Buch oft vage und ungenau. Dennoch bietet es einen sehr soliden Überblick über alle großen Themenbereiche der Astronomie und ist als Einstiegswerk für Ihre eigene astronomische Bibliothek zu empfehlen. Wenn es Herrmann gelingt, weiteres Interesse zu wecken, hier und da Genaueres wissen zu wollen, hat er sein Ziel erreicht.

Dem Maitre in die Töpfe geschaut

Wie macht man ein Universum wie unseres? In 22 kurzweiligen und unterhaltsamen Geschichten werden die physikalischen Grundlagen dafür auf unorthodoxe Art verständlich gemacht. Die Handlungen spielen in Gottes Forschungslabor. Mit seinen himmlischen Assistentinnen, Gabriela und Michaela, sowie deren höllischer Kollegin Luzie, die sich gegenseitig immer wieder auf die Nerven gehen, arbeitet er daran, Nashörner und Bakterien entstehen zu lassen. Trotz der gegensätzlichen Ansichten und Interessen seines Personals gelingt es Gott immer wieder, dem Ziel näherzukommen, auch wenn er dafür mal kurz die Naturgesetze außer Kraft setzen muss.

Auf originelle Weise erzählt Wiebke Salzmann, wie die Physik funktioniert. Allerdings sollten zum besseren Verständnis Vorkenntnisse aus dem Oberstufenunterricht mitgebracht werden. Infoblöcke liefern kurz und knapp, aber dennoch verständlich, Hintergrundinformationen, in denen beispielsweise die merkwürdigen Effekte der Quantenmechanik erläutert werden. Die sorgen unter anderem dafür, dass der Gehilfe Laplacie, die Verkörperung des Laplace’schen Dämons, einen Nervenzusammenbruch erleidet, weil er die zukünftige Entwicklung im Universum nicht mehr exakt berechnen kann. Doch als die elektromagnetischen Gesetze eingeführt werden, ist er wieder in seinem Element und erfindet mit dem Chef mal eben den Elektromotor.

So werden nach und nach die wichtigsten Phänomene eingeführt, die für die Entwicklung des Universums vom Urknall bis in die Gegenwart von Bedeutung sind. Nebenbei erfährt der Leser, warum es auf der Erde so schwierig ist, einen Fusionsreaktor zum Laufen zu bringen, und warum bis heute keine magnetischen Monopole gefunden wurden. Zuletzt hilft die Quantenmechanik dem Weihnachtsmann, sein Zeitproblem bei der Auslieferung der abermillionen Geschenke zu lösen, auch wenn er danach erst einmal eine Therapie braucht.

Das Buch ist ein gelungenes Beispiel dafür, dass Physik nicht immer trocken und langweilig sein muss. Mit einem Augenzwinkern gelingt es der Autorin, uns die Naturgesetze unserer Welt nahezubringen. Durch welche Panne im Labor die Saurier im wahrsten Sinne des Wortes ausradiert wurden, erfahren wir auf S. 5.