In diesem Sachbuch erörtern Vertreter unterschiedlicher Forschungsgebiete das Verhältnis von Mensch und Tier. Die Textsammlung entstand im Zuge eines gleichnamigen Symposiums des Humanistischen Verbands Deutschland, Landesverband Bayern. Sie richtet sich nach eigenem Bekunden an all jene, die sich für ein Menschenbild interessieren, das auf wissenschaftlichem und philosophischem Erkenntnisgewinn basiert.

Inhaltlich reichen die Essays von der Psychologie und Neurologie über die Philosophie, Ethik und Kulturwissenschaften bis hin zur Biologie, Anthropologie und Ökonomie. Die insgesamt dreizehn Beiträge wurden von renommierten Vertretern der jeweiligen Disziplinen verfasst. Das hat Vorteile, so liefert das Buch topaktuelle Informationen, die in weiten Teilen spannend und mit aufschlussreichen Beispielen und Grafiken versehen präsentiert werden. Andererseits neigen die Autoren – auf ihren ureigenen Kompetenzfeldern schreibend – inhaltlich und stilistisch bisweilen zur Form eines wissenschaftlichen Reviews oder Lehrbuchs. Fachkollegen und Studenten werden das zu schätzen wissen, Laien weniger.

Bei manchem Kapitel fragt man sich, was es mit dem Buchtitel zu tun hat. Eine Rückschau auf das wissenschaftliche Leben von Konrad Lorenz etwa, des Begründers der Verhaltensforschung (1903-1989), erwartet man doch eher in einer Biographie des brillanten Naturforschers. Zwei weitere Dinge stören den Lesefluss und verhindern, dass das Buch zu einem echten Schmöker wird. Erstens ist der ausgiebige Gebrauch von Fachsprache gemessen an den Umständen nachvollziehbar, zwingt die meisten Leser aber wohl früher oder später zum Nachschlagen. Das 20 Seiten lange Glossar im Anhang hilft hier zwar, reicht allein aber nicht aus. Zweitens beginnt man sich bald zu fragen, ob in einem Sachbuch die Fußnoten mehr Platz auf der Seite einnehmen müssen als der Haupttext. Das kommt zwar nicht oft vor, aber durchaus wiederholt.

Die Beiträge werden eingerahmt oder wenigstens in Zusammenhang gesetzt zur Entwicklungsgeschichte des Menschen, wobei es sogar eine kritische Betrachtung der Evolutionstheorie ins Buch geschafft hat. Konkret erfahren wir etwa, das nichtsprachliche Mitteilen von Gefühlen bei Menschen beruhe auf ganz ähnlichen Grundmustern wie bei nahe verwandten Säugetieren. Solche Erkenntnisse gewähren tiefe Einblicke in das evolutionäre Erbe unserer Art. An anderer Stelle erklärt der Kulturphilosoph Franz Joseph Wetz die "Lust am Exzess" und wieso mache Zeitgenossen lieber "Koks schniefen, statt totschießen". Auch weshalb Übergewicht lebensverlängernd wirken könnte, ist durchaus spannend zu lesen und wird vom Mediziner Achim Peters logisch nachvollziehbar begründet. Nicht immer sind Autoren, deren Themengebiete einander streifen, der gleichen Ansicht, was das Buch auch deutlich kenntlich macht. Dadurch ergibt sich ein differenziertes Meinungsspektrum, dem die Leser viel abgewinnen können.

In vielerlei Hinsicht schließt das Werk an bekannte Diskurse an, worauf die Autoren in der Regel auch hinweisen. Seinen Wert zieht es in erster Linie aus der Vielfalt der Themen und Herangehensweisen, die es vorstellt. Inhaltlich umfassend und viele Seiten zu Wort kommen lassend, hat es fraglos Stärken. Zum Lesevergnügen wird es aber wohl nur hartgesottenen Kennern der Materie.