Den Namen David Levy verbindet man im astronomischen Umfeld in erster Linie mit der Entdeckung von Kometen, und insbesondere mit Shoemaker-Levy 9. Dieser Komet stürzte 1994 in spektakulärer Manier auf den Jupiter und machte damit seine Namensgeber, Levy und das Ehepaar Carolyn und Eugene Shoemaker, auch über die Szene der Amateurastronomen hinaus bekannt. Eigentlich ist David Levy Literaturwissenschaftler, und als Autor von mehr als 30 Büchern zur Astronomie verbindet er Hobby und Beruf miteinander.

"David Levy's Guide to Eclipses, Transits, and Occultations" ist Teil einer Serie. Anstatt ein reines Sachbuch abzuliefern, verbindet Levy die fachlichen Informationen mit Tipps und Tricks aus seinem reichen Erfahrungsschatz als Amateurastronom und ausführlichen Schilderungen von persönlichen Erlebnissen. Letzteres reicht von Kindheitserinnerungen bis hin zur Planung des Hochzeitstags. Auch die Shoemakers begegnen dem Leser bei der Lektüre mehrfach.

Obwohl Finsternisse, Transits und Stern- und Planetenbedeckungen auf denselben geometrischen Prinzipien beruhen, handelt es sich doch um Ereignisse mit ganz unterschiedlichen beobachterischen Aspekten. Der Inhalt des Buchs ist daher in mehrere entsprechende Teile gegliedert, die wiederum kapitelweise unterteilt sind.

Während Levy als Einleitung von seiner eigenen Reise zur totalen Sonnenfinsternis vom 23. November 2003 über der Antarktis berichtet, beginnt der erste Abschnitt mit den Sonnen- und Mondfinsternissen des Jahres 1605, deren Eindrücke sich in Shakespeares Werken wiederspiegeln. Tatsächlich unternimmt Levy im Verlaufe des Buchs mehrfach Ausflüge zu historischen Figuren, Shakespeare und andere Größen der Literatur werden dem Leser häufiger begegnen. Direkt im Anschluss werden Finsternisse allerdings aus einem ganz anderen Blickwinkel beleuchtet: Die Messung der Lichtablenkung im Schwerefeld der Sonne durch Eddington bei der Sonnenfinsternis vom 29. Mai 1919 zeigt beispielhaft den wissenschaftlichen Nutzen von Finsternisbeobachtungen auf.

Der erste Teil des Buchs endet mit einem Kapitel über die Grundlagen der Entstehung von Finsternissen. An dieser Stelle wird der Leser auch mit den Finsterniszyklen von Saros und Meton vertraut gemacht. Besonders der Saros-Zyklus, der es einem Beobachter ermöglicht, die "Wiederholung" einer bestimmten Finsternis 18 Jahre später erneut zu verfolgen, wird sich in den späteren Erzählungen Levys zu einem zentralen Element des Buchs entwickeln.

Der zweite und längste Teil des Werks widmet sich den verschiedenen Aspekten der Beobachtung von Sonnenfinsternissen von der sicheren Beobachtung der partiellen Phase bis hin zur Fotografie der Totalität. In den sieben Kapiteln dieses Abschnitts berichtet Levy von derart vielen Finsternissen, die er persönlich miterlebt hat, dass der Leser schon beinahe das Gefühl bekommt, den Überblick zu verlieren, da die Erzählungen nicht chronologisch angeordnet sind, sondern sich in partielle, ringförmige und totale Finsternisse gruppieren. Analog behandelt der dritte Teil des Buches Mondfinsternisse, die einzelnen Kapitel thematisieren die wenig spektakulären Halbschattenfinsternisse, partielle und totale Mondfinsternisse erneut getrennt.

Zwei weitere kurze Abschnitte zu den Transits von Merkur und Venus vor der Sonne sowie Stern- und Planetenbedeckungen durch den Mond oder durch Asteroiden schließen sich an. Den Abschluss bildet eine kommentierte chronologische Auflistung aller Finsternisse, Transitereignisse und Bedeckungen, die sich im Verlauf von Levys Astronomenkarriere ereignet haben und fasst damit die vielen Rückblicke aus dem Text noch einmal zusammen. Ein Glossar und eine Liste künftiger Finsternisse runden das Buch ab.

Es gibt wohl kaum ein eindrucksvolleres astronomisches Erlebnis als den Anblick der Korona bei einer totalen Sonnenfinsternis, und Levy weiß das Schauspiel auch in passende Worte zu fassen. Der vordergründig erzählerische Stil, der Hintergrundinformationen eher beiläufig in den Text einfließen lässt, macht das Buch nicht unbedingt zu einem Ratgeber für jemanden, der sich systematisch auf die Beobachtung einer Finsternis oder eines Transitereignisses vorbereiten will, sondern eher zu einer unterhaltsamen Bettlektüre während einer Sonnenfinsternisreise.

Menschen, deren Interesse für die Astronomie durch eine Finsternis geweckt wurde, können mit Hilfe dieses Buchs einen hervorragenden Einblick in das Hobby gewinnen. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings, denn wie so häufig bei Paperbackausgaben hat sich Cambridge leider entschlossen, die vom Autor sorgfältig ausgewählten, größtenteils selbst aufgenommenen Fotos nicht in Farbe zu drucken. In Schwarzweiß und mit teils extrem schlechter Druckqualität verliert der überwiegende Teil der Bilder allerdings vollständig seine Wirkung, im Text beschriebene Details sind nicht wiederzuerkennen. Aber wie Levy selbst schreibt, geht es weniger um schöne Bilder als um das Erlebnis an sich, und wird daher nicht müde zu betonen "enjoy the eclipse!"