Das Fernsehpublikum kennt den Entertainer Thorsten Havener aus zahlreichen Unterhaltungsshows, in denen er mit Hilfe psychologischer Tricks verblüffende Fähigkeiten demonstriert: Er versetzt seine Zuschauer in Trance und scheint blind die Gedanken seines Gegenübers zu lesen. Schon in seinen ersten zwei Büchern – beide Bestseller – gewährte er einen Blick hinter die Kulissen seiner Mentalartistik.

So ist der Titel seines neuesten Werks "Denk doch, was du willst" ironisch gemeint, denn an die Freiheit der Gedanken glaubt der Autor nicht. Havener verdient sein Geld damit, Menschen zu durchschauen und zu beeinflussen. Zu ver­danken hat er das den Schwächen der menschlichen Psyche. Wir fallen auf simple Verkaufstricks herein, passen unseren Sprachstil unbewusst unserer Umgebung an und machen Autorität an äußeren Merkmalen fest.

Wie funktioniert Suggestion? Wie eine gute Hypnose? Und wie kann man das Ganze in der Praxis anwenden? Havener erläutert bekannte psychologische Phänomene, verknüpft sie mit Beispielen aus seinem Bühnenalltag sowie Ereignissen der Weltgeschichte und liefert so eine ­lockere Gesamtschau zum Thema. Dabei bietet er zwar keine neuen Erkenntnisse über die Ursachen der menschlichen Manipulierbarkeit. Dafür gibt er Tipps und Tricks für den Selbstversuch, wenn auch ohne Erfolgsgarantie: "Bitte beachten Sie, dass Sie sämtliche Versuche auf eigene Gefahr durchführen", warnt er seine Leser effektvoll.

Zentral ist für den Autor der "Rapport": Vor jeder Einflussnahme müsse sich ein Manipulator "dem mentalen Niveau" seines Gegenübers anpassen. Ob dieser Idee auch der jugendliche Jargon Haveners entspringt? Angesichts von "Oberhammern", "coolen Hunden" und "verschnoddelten Waschbecken" sehnt sich der Leser nach einem etwas weniger vertraulichen Umgangston.

Auch inhaltlich scheint Havener unentschlossen. Er will gleichzeitig seriös wirken und mit Sensationen locken, räumt Formulierungen wie der "dunklen Seite der Macht" genauso ihren Platz ein wie wissenschaftlichen Prinzipien, die durchaus Hand und Fuß haben. Mit dem Milgram-Experiment etwa zitiert er eine der wichtigsten psychologischen Erkennt­nis­se zum Thema Einflussnahme durch Autorität. Doch kann er psychologisch vorgebildeten Lesern damit nichts Neues ­bieten.

Interessanter ist Haveners Transfer in die Praxis. Wie strukturiert man eine gute Entspannungsübung? Auf welche Weise entlarvt man einen Lügner? Und mit welchen Methoden kommt der Kellner zu mehr Trinkgeld? Der Autor selbst charakterisiert sein neues Buch so: Es sei eine "Lightversion" langatmiger Forschungsliteratur. Und in diese gehört, trotz wissenschaftlichen Anspruchs und der Distanzierung von Jahrmarktwahrsagern, eben auch eine ­ordentliche Portion Show und Selbstdarstellung.