Bildbände – astronomische wie nichtastronomische – sprengen gelegentlich die Maße handelsüblicher Bücherregale, so auch Eckhard Slawiks "Der Sternenhimmel". Auf gut 100 Seiten im ungewöhnlichen Format von 40 mal 50 Zentimeter bei guter Druckqualität und auf hochwertigem Papier nimmt das Buch den Betrachter mit auf eine fotografische Reise zu "Sonne, Mond und Sternen", wie es auch im Untertitel heißt.

Die damit angedeutete Einteilung ist durchaus wörtlich zu nehmen. Der erste Abschnitt zur Sonne fällt dabei mit acht Seiten noch am kürzesten aus, obwohl die Sonnenflecken und damit verbundene Vorgänge wie die Entwicklung von Fleckengruppen oder die Sonnenrotation ausführlich bebildert werden. Slawiks Schwerpunkt liegt hier eindeutig auf der Weißlichtsonne, deren Oberflächenphänomene er in den Bildern hervorragend herauszuarbeiten vermag. Die beiden gezeigten H-alpha-Bilder dagegen liegen qualitativ weit hinter dem zurück, was man heutzutage gewohnt ist.

Enthielt das Kapitel zur Sonne nur eine einzige Aufnahme der Sonne im Großformat, besteht der 32-seitige Abschnitt über den Mond größtenteils aus eben solchen ganzseitigen Bildern. Insbesondere wird die Ansicht des Mondes von der schmalen Sichel zum Vollmond und wieder zur Sichel hin derart dokumentiert, hinzu kommen zwei Aufnahmen einer Bedeckung des Saturns durch den Mond. Detaillierte Aufnahmen von einzelnen Oberflächenformationen sucht man allerdings vergebens.

Mit 52 Seiten nimmt das nun folgende Kapitel zu den Sternen die Hälfte des Buches ein. Es besteht zum größten Teil aus ganzseitigen Aufnahmen des Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Winterhimmels. Slawiks Ansatz hierbei ist einzigartig und demonstriert in eindrücklicher Form den Einfluss der Lichtverschmutzung auf die Wahrnehmung des Sternhimmels: Zunächst werden auf einer Doppelseite jeweils identische Bilder gezeigt, einmal mit und einmal ohne Beschriftung und die Verbindungslinien der Sternbilder. Derselbe Ausschnitt wird auf diese Weise sowohl von einer Großstadt aus, als mäßig dunkler Landhimmel und unter optimalen Bedingungen an einem Observatoriumsstandort nahezu ohne Lichtverschmutzung aus gezeigt.

Ergänzt werden die jahreszeitlich geordneten Unterkapitel durch weitere Aufnahmen besonderer Himmelsregionen und einzelner Objekte sowie ein Abschnitt über Objekte und Erscheinungen unseres Sonnensystems wie Planeten, Kometen, Sternschnuppen und das Zodiakallicht. Hinzu kommen zwei ausklappbare Panoramen, die jeweils die gesamte Milchstraße und den Tierkreis zeigen. Insbesondere das Milchstraßenpanorama wird so manchem bekannt vorkommen, ist es doch bereit 1999 als Poster erschienen.

Die abschließenden sechs Seiten dokumentieren die Entstehung des Buches und die Ausrüstung, die für die Erstellung der Aufnahmen zum Einsatz kam. Spätestens hier wird dem aufmerksamen Betrachter aber auch deutlich, dass Slawiks Fotokunst aus einer längst vergangenen Zeit stammt: Die Aufnahmezeitpunkte der Bilder liegen oftmals viele Jahre zurück, sie stammen größtenteils entweder aus den Anfangszeiten der Digitalfotografie oder sind sogar noch analog auf Filmmaterial entstanden.

Eines zeigt dieses Buch daher mit Sicherheit nicht, nämlich welche Möglichkeiten die moderne Technik der digitalen Astrofotografie schon in Verbindung mit einfachen Amateurteleskopen bietet, die von der heutigen Generation der Astrofotografen bis zur Perfektion beherrscht wird. Stattdessen wurde für Detailaufnahmen von Himmelsobjekten auf digitalisierte Fotoplatten des Schmidt-Teleskops auf dem Calar Alto zurückgegriffen und so der Eindruck erweckt, für solche Aufnahmen bräuchte es ein Profiteleskop – eine für den Laien durchaus irreführende Vorstellung.

Damit und durch die Konzentration auf Grundlegendes – siehe die Einteilung Sonne, Mond und Sterne – ist aber auch die Zielgruppe des Buches vorgegeben: Nichtastronomen, die ihnen vom Prinzip her bereits bekannte astronomische Alltagsphänomene näher kennenlernen möchten.

Leider kann man dem Leser allerdings nur davon abraten, die begleitenden Texte zu den Bildern aufmerksamer zu studieren. Während die flapsige Sprache, mit der Doppelsterne als "römisch-katholisch miteinander verheiratet" bezeichnet werden, die Perseussage zur Seifenoper hochstilisiert oder konstatiert wird, Kometen würden sich "nicht um die bestehende Ordnung im Sonnensystem kümmern" noch als Geschmackssache abgetan werden kann, zeugen zahlreiche sachliche Fehler in den Beschreibungen und wissenschaftlichen Darstellungen der Objekte nicht nur von fehlender Fachkenntnis des Autors, sondern auch von mangelhaftem Lektorat.

Bereits auf der ersten Seite zur Sonne fallen der Vergleich der Randverdunklung der Sonne mit der Abschwächung des Lichts durch Dunst in Horizontnähe und die Gleichsetzung solarer Fackeln mit Flares auf. Mit Behauptungen wie der, dass sich nur einmal pro Jahr eine Mondfinsternis ereignet (in Wirklichkeit durchschnittlich 2,6), dass Kugelsternhaufen auch bei ihrer Entstehung keine massereichen Sterne enthielten oder dass die Inflationsphase nach dem Urknall das Universum auf seine jetzige Größe gebracht habe, wird es nur noch schlimmer.

Völlig in die Welt des Abstrusen driftet das Buch aber ab, wenn nach dem Verweis auf die in Fachkreisen kritisch gesehenen Studien von Henrik Svensmark zum Einfluss der Sonnenaktivität auf die Wolkenbildung der Erde die widersinnige Theorie des Esoterikers und Astrologen Theodor Landscheidt zur Entstehung des Sonnenfleckenzyklus durch die kombinierte Schwerkraftwirkung der Planeten über mehrere Absätze hinweg kolportiert wird. Auch später werden noch einmal Zweifel an den magnetischen Ursachen der Sonnenaktivität laut.

In diesem Sinne erwartet den Betrachter des Buches das zweifelhafte Vergnügen, die eindrucksvollen und wunderschönen gezeigten Aufnahmen mit derart misslungenen Texten kombiniert zu sehen. Aus diesem Grund eignet sich der Band auch insbesondere nicht als Geschenk für jemanden, der mit seiner Hilfe mehr über den Sternhimmel erfahren möchte.