Rezension | 28.12.2012 | Drucken | Teilen

Kurztrip durch Ägyptens Kunstgeschichte

Kaum eine Kunsttradition scheint über die Jahrtausende derart zeitlos gewesen zu sein wie die des alten Ägyptens. Warum viele Stilformen und Bildthemen so lange bestehen blieben und warum es tatsächlich zahlreiche Veränderungen gab, führt Dorothea Arnold in einem knappen, aber informativen Büchlein vor Augen.

Die Autorin, lange Jahre Kustodin des Metropolitan Museum of Art in New York, präsentiert ausgewählte Beispiele aus den Bereichen Architektur, Skulptur, Reliefs sowie Malerei und beschreibt die typischen Werke genauso wie die herausragenden Einzelfälle. Den Schwerpunkt legt sie dabei auf die Funktionen der Kunst im Alltag: Die häufigsten Bildthemen drehen sich um Fruchtbarkeit und Jahreszeitenwechsel im Kontext von Nilschwemme, Pharaonen und Götterkult, politischer Einheit von Ober- und Unterägypten – einschließlich militärischer Unbesiegbarkeit und Tod sowie Totenkult.

Arnold will gesichertes Wissen in konzentrierter sowie für Laien verständlicher Form vermitteln und beim Leser ein tieferes Verständnis für Kunst und Kunstempfinden der Menschen am Nil wecken. Neben Eigenschaften wie der Schönheit des Materials und der Vorstellung vom beseelten Bildwerk waren Dauerhaftigkeit und inhaltliche Botschaft von besonderer Bedeutung.

Arnolds Buch ist kein "Einsteigerbuch", um die ägyptische Kunst in allen Fassetten kennen zu lernen. Chronologische Reihen und Entwicklungen innerhalb einzelner Genres fehlen ebenso wie beispielsweise sämtliche Gattungen der Kleinkunst. Liest man das Buch jedoch parallel zu einem klassischen Überblickswerk, erschließt sich das breite Spektrum des ägyptischen Kunstempfindens durch die einzelnen Epochen deutlich leichter.

epoc 4/2012
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