Die Germanen haben zu ihrer Geschichte selbst nichts Schriftliches hinterlassen. Erst um 160 n. Chr. kam die Runenschrift auf, doch die diente ausschließlich dazu, kurze Botschaften und Sprüche zu fixieren. So beruht das Wissen über die germanische Frühzeit entweder auf den Aufzeichnungen römischer oder griechischer Autoren oder auf archäologischen Hinterlassenschaften.

Bruno Bleckmann, Professor für Alte Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, widmet sich fast ausschließlich den Zeugnissen der antiken Schreiber. Damit ist die Dramaturgie seines Buchs festgelegt: Beginnend mit den Berichten des römischen Feldherrn Gajus Julius Cäsar, der die Germanen – neben Kelten und Skythen – um 50 v. Chr. erstmals als dritte Großgruppe im europäischen Norden herausstellte, hangelt sich der Althistoriker an Ereignissen wie der Varusschlacht, dem Bataveraufstand und den Markommannenkriegen entlang. Schließlich schildert er, wie neue Großstämme das bereits wankende Imperium bedrängten und dessen Strukturen nach Plünderungen und Verwüstungen übernahmen.

Doch durch die Fixierung auf die antiken Schriftquellen bleiben die Germanen schemenhaft und ihre Geschichte erscheint als bloße Aneinanderreihung von Konflikten und Kriegen. Wie sie wohnten, sich kleideten und schmückten, was sie aßen und woran sie glaubten – all dies schildert Bleckmann nicht.

Hier hätte schon ein Blick auf die wenigen eigenen schriftlichen Hinterlassenschaften der Germanen, auf die Runen etwa, Abhilfe schaffen können. Zudem bleibt das Dargestellte unvollständig: Die Sachsen auf dem Kontinent fehlen, von anderen – etwa den Burgundern – ist nur am Rand die Rede. Von diesen Einschränkungen abgesehen gehört "Die Germanen" zu den fundierteren Bücher der vergangenen Jahre, welche die römisch- germanischen Beziehungen darstellen.