Rezension | 31.07.2013 | Drucken | Teilen

Evolution – Eine Frage der Zeit!

Ein populärwissenschaftliches Buch zu finden, das die Hauptaspekte der Evolution so erklärt, dass man Spaß an der Lektüre hat und sich gern näher mit dem Thema auseinandersetzen möchte, ist nicht einfach. Nun liegt ein solches Werk vor. Es gehört zur Buchreihe "Die großen Fragen" aus dem Springer-Verlag; der Autor ist Francisco J. Ayala, Professor für Biologie und Philosophie an der University of California in Irvine (USA).

Ayala setzt sich darin mit interessanten Fragen auseinander, etwa was Evolution überhaupt ist, wie das Leben entstand, ob Intelligenz erblich ist, wie viel Affe in uns steckt oder ob sich die Menschen weiterentwickeln werden, bis hin zur Frage "Hat der Kreationismus recht?" Der Autor behandelt diese Dinge in unterschiedlicher Ausführlichkeit auf insgesamt 200 Seiten.

Bei der Lektüre stellt sich heraus, dass Ayala ein starker Kritiker des Intelligent Designs und des Kreationismus ist – Auffassungen, die von der Idee einer (göttlichen) Schöpfung geprägt sind. Er vertritt die These, dass Lebewesen unvollkommen sind, also nicht optimal an ihre Umwelt angepasst. Obwohl er Theologie studiert hat, lehnt er den Glauben an einen übermächtigen, gottähnlichen Designer ab. Ausführlich erläutert er Schlüsselkonzepte der Evolutionstheorie, etwa Diversifizierung (Auffächerung, etwa bei der Entstehung von Artenvielfalt) und Homologie (Übereinstimmung etwa von Körpermerkmalen aufgrund eines gemeinsamen evolutionären Ursprungs).

Ein Hauptaugenmerk legt der Autor auf die Evolution des Menschen. Ayala stellt wichtige Unterschiede zwischen uns und anderen Lebewesen dar. Demnach sind aufrechter Gang, Hirnstruktur, Sprache und Kultur die wichtigsten Faktoren, die den Menschen ausmachen. Kein anderes Lebewesen, so Ayala, verfüge über eine kulturell bedingte Anpassungsleistung, die die biologische Anpassung in den Hintergrund dränge. Nur der Mensch könne seine Umwelt umfassend und gezielt gestalten und so für sich optimieren.

Spannend ist die Frage, ob wir uns als Menschen weiterentwickeln. Sicher hängt dies vor allem von der kulturellen Evolution ab. Doch biologische Mechanismen wie Mutation und Selektion spielen auch bei uns nach wie vor eine Rolle, wie der Autor schreibt.

Die Frage, ob man Menschen klonen kann oder nicht, lässt sich laut Ayala klar mit Nein beantworten. Zwar sei es heute in noch nie dagewesener Weise möglich, Erbmaterial zu vervielfältigen. Doch gerade beim Menschen sei es selbstverständlich, dass er nicht nur ein Produkt seiner Gene sei, sondern vielmehr entscheidend durch Erziehung, Umwelt und andere Faktoren geprägt werde.

Zudem gibt der Autor eine Antwort die Frage, ob Intelligenz erblich ist. Dabei bezieht er sich unter anderem auf die Zwillingsforschung. Intelligenzunterschiede bei zweieiigen Zwillingen rührten sowohl von genetischen als auch von umweltbedingten Einflüssen her. Eineiige Zwillinge hingegen seien genetisch identisch, ihre gegebenenfalls unterschiedlichen Intelligenzleistungen seien somit vollständig von der Umwelt determiniert. Unter Berücksichtigung solcher Zusammenhänge, schreibt Ayala, komme man zu dem Schluss, etwa siebzig Prozent der Intelligenzunterschiede innerhalb einer Menschenpopulation gingen auf die Erbanlagen zurück. Mithin spielten Faktoren wie die Erziehung, der sozioökonomische Status, das Gesundheitssystem und andere für die Intelligenzbildung eine große Rolle.

Insgesamt bietet das Buch einen hervorragenden, spannend geschriebenen Überblick über wichtige Aspekte der Evolution. Es lässt sich sehr gut als Schulbuch für die Klassen der Oberstufe einsetzen. Hier kann man beispielsweise die einzelnen Kapitel als Vorlage für Referate verteilen.

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