"Die großen Fragen – Universum" ist Teil der Buchreihe "Die großen Fragen", die in der deutschen Übersetzung im Spektrum Akademischer Verlag erschienen ist und zu denen auch die Ausgaben "Physik", "Mathematik" und "Philosophie" gehören. Die Ausgabe zum Thema Universum stammt von dem bekannten Wissenschaftsautor Stuart Clark, der auch als leitender Redakteur für Weltraumwissenschaft der European Space Agency (ESA) tätig ist. Auf rund 200 Seiten stellt Clark 20 Fragen, welche die Astronomie und Kosmologie bewegten und bewegen – freilich ohne jede einzelne beantworten zu können, denn einige von ihnen zählen zu den größten Rätseln der modernen Wissenschaft.

Neben solch universellen Fragen wie die nach dem Alter, der Größe oder dem Schicksal des Universums geht es auch um für uns Menschen so existentiell wichtige, wie die nach anderem Leben im Universum. Sollte es wirklich sein, dass wir alleine sind, bei all den vielen anderen Planeten und Sonnensystemen, von denen wir ja inzwischen wissen, dass sie existieren? Clark diskutiert sowohl die Möglichkeit, wie sich Leben auf der Erde und vielleicht auch auf anderen Himmelskörpern entwickelt haben könnte, als auch die Frage, ob wir jemals Kontakt mit anderen intelligenten Lebensformen werden aufnehmen können. Einige der im Buch thematisierten Probleme könnten möglicherweise bald gelöst werden. Etwa die Frage, ob es auf unserem Nachbarplaneten Mars primitive Formen von Leben gab oder sogar noch gibt, versteckt in Nischen, die zumindest minimale Voraussetzungen für ein Überleben einfachster Mikroben bieten.

Bei anderen werden wir wohl noch lange auf eine Antwort warten müssen – etwa die nach der ominösen Dunklen Energie, die drei Viertel des Masse-Energiebudgets des Universums ausmachen soll. Ob hier in den nächsten Jahrzehnten ein Fortschritt zu erwarten ist, wo heute doch niemand auch nur eine Ahnung zu haben scheint, was genau dieser seltsame Stoff sein soll? Ob Urknall, Schwarze Löcher, die Möglichkeit der Existenz von Paralleluniversen oder die letztlich philosophische Frage, ob nicht doch ein Schöpfer die Naturgesetze so perfekt eingestellt hat, damit wir Menschen existieren können – Clark versteht es, die unterschiedlichen und nicht immer leicht verdaulichen Themenfelder in einer allgemeinverständlichen Sprache, unterhaltend und doch umfassend zu behandeln.

Kein Abschnitt erstreckt sich über mehr als zwei Seiten, so dass immer wieder Gelegenheit zum Luftholen bleibt – das ist auch nötig bei diesem Parforceritt durch die Kosmologie und Astrophysik! Auf mathematische Formeln wird verzichtet, jedes Kapitel kann auch für sich allein gelesen werden, und Vorkenntnisse werden beim Leser nicht vorausgesetzt. Die sämtlich in Schwarz-Weiß gehaltenen Abbildungen sind nützlich und ansprechend gestaltet.

Allgemein macht das Buch deshalb einen sehr guten Eindruck. Es ist insbesondere als Lesebuch für Einsteiger zu empfehlen, die einfach mal wissen möchten, was Astronomen und Kosmologen eigentlich so umtreibt bei ihrer Forschung. Ärgerlich sind allerdings einige Ungenauigkeiten und Fehler, die beim Durchlesen ins Auge springen. So wird auf Seite 109 suggeriert, die charakteristische Eigenschaft von Fermionen wäre, dass sie Masse besitzen (und Bosonen demzufolge nicht), was falsch ist. Auf Seite 113 heißt es, im so genannten Bullet Cluster würden sich eine kleine und eine große Galaxie durchqueren, tatsächlich durchdringen sich hier zwei Galaxienhaufen. Auf Seite 121 wird behauptet, die "Große Mauer", die größte Struktur im Kosmos, sei nur 15 Lichtjahre tief – das wäre geradezu papierdünn im Vergleich zu ihrer Länge! Richtig wären mindestens 15 Millionen Lichtjahre. Ob "die meisten Physiker" die Stringtheorie gegenwärtig für den aussichtsreichsten Anwärter auf eine "Weltformel" halten (Seite 166) sei dahingestellt, aber dass die Einheit "Lichtjahr" eine Längen- und keine Zeiteinheit ist (Seite 187: "Milliarden Lichtjahre Zeit") sollte sich inzwischen herumgesprochen haben.

Von diesen (und möglicherweise weiteren) Patzern abgesehen ist das Buch "Die großen Fragen – Universum" jedoch absolut lesenswert. Wie viele der 20 Fragen in ein oder zwei Jahrzehnten noch aktuell sind, kann man nur vermuten. Sicher ist: es wird immer neue Fragen geben. Das wusste auch schon Johannes Kepler, den der Autor am Ende zitiert: "Der Himmel hält so reiche Schätze bereit, dass es dem menschlichen Geist niemals an Nahrung gebrechen wird."