Rezension | 06.06.2013 | Drucken | Teilen

Einen Traum fotografieren

Ein paar Jahre in unsere technologische Zukunft zu schauen, ist gar nicht so schwer. Schon heute ist leicht absehbar, welche Technik uns schon bald zur Verfügung stehen kann. Doch wie sieht es in 50 oder 100 Jahren aus? Werden wir überhaupt noch selbstbestimmt leben? Oder haben Maschinen und Computer die Herrschaft über uns übernommen? Werden uns unsere Roboter-Neuschöpfungen Erdnüsse zuwerfen, wie wir heute den Affen im Zoo?

Den amerikanische Physiker Michio Kaku geht dieser Frage in seinem Buch "Die Physik der Zukunft" nach und entwickelt zahlreiche weitere Szenarien, was unsere Kinder und Enkelkinder so alles erwartet. Kaku untermauert seine Behauptungen und Visionen mit dem, was er zum Teil selbst bereits in Laboratorien gesehen hat. Er berichtet über Züchtungen von Organen aus körpereigenen Zellen und erzählt von Versuchen, die Dinosaurier oder andere ausgestorbenen Arten wieder auferstehen zu lassen. Dann gewährt er Einblick in neurobiologische Labore, in denen Wissenschaftler schon heute rudimentär erkennen können was ein Gehirn sieht und auf diese Weise vielleicht bald sogar ganze Träume aus dem Gehirn eines Menschen "abfotografieren" können. An anderer Stelle entwirft Kaku dann Szenarien, wie die Menschen den Mars besiedeln, dort ganze Kolonien aufbauen und das ewige Leben finden.

Kakus Zukunftsszenarien lesen sich spannend. Er gliedert seine Ausführungen jeweils in drei Abschnitte, die das Leben in 20, 50 und schließlich in 100 Jahren beschreiben. Auch wenn man manchmal kaum glauben möchte, welche Hirngespinste er da zu Papier bringt, so überlegt man sich doch ständig, ob es nicht vielleicht doch so kommen könnte. Und vor allem stellt man sich oft die Frage, ob man in so einer Welt überhaupt noch leben möchte.

Besonders eindringlich kommt man im letzten Kapitel des Buchs an Kakus Zukunftsvorstellungen heran. Dort beschreibt er einen Tag im Leben eines Arbeitnehmers im Jahr 2100. Vom ersten Screening im Bad, das anzeigt ob er irgendwelche Krankheitserreger in sich trägt, über dreidimensionale Hologramme der Arbeitskollegen während einer Konferenz bis hin zum Rendevous am Abend mit einer erfolgreichen Web-Designerin, die Ihre Kunst einfach in die Luft malt, ist die ganze Palette dessen enthalten, wie sich Kaku das Leben in noch nicht mal hundert Jahren vorstellt.

Kakus Buch lässt den Leser eintauchen in eine Welt, die uns in etlichen Sciencefictionfilmen in teilweise theatralischen Bildern vorgespielt wird. Der Gedanke, dass vieles aus Hollywood-Produktionen von vor 30 Jahren heute Realität ist, lässt einen dabei nicht los. Während der Lektüre kann man sich aber ebenso treiben lassen in Kakus Gedankenwelt, ohne seine Überlegungen unbedingt werten zu müssen. Es sind gerade seine gewagtesten Thesen und die skurrilsten Ansichten, die sich dem Leser im Gedächtnis verankern.

Schade, dass wir alle niemals erfahren werden, in wie weit Kaku Recht behalten wird.

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