"…..sind sie im Grunde noch immer die alten Affen" – so kommentierte schon der Dichter Erich Kästner in seinem gleichnamigen Gedicht ironisch die "Entwicklung der Menschheit". Und daran hat sich in den paar Jahren seitdem auch nichts mehr geändert. Denn vor flimmernden Flachbildschirmen mit einer Tüte Bio-Chips in der Hand sitzt noch immer das Modell "Urzeit"-Körper, mit dem vor rund 180 000 Jahren unsere Vorfahren durch das eiszeitliche Europa gestapft sind.

"Die Steinzeit steckt uns in den Knochen", und das bereitet dem modernen Menschen zwischen Bürostuhl und Fastfood-Restaurant nicht selten Probleme. Zu dieser Erkenntnis kommt zumindest das Autoren-Triumvirat Detlev Ganten, Thilo Spahl und Thomas Deichmann in ihrem unterhaltsamen Sachbuch über die Evolution von Mensch und Krankheit.

Darin bringen uns der langjährige Charité-Chef Ganten und seine beiden Mitstreiter den eigenen Körper, das unbekannte Wesen, und seine Geschichte etwas näher. In einer spannenden Zeitreise, beginnend bei den simplen Einzellern, beschreiben die Autoren in den ersten Kapiteln wie unser Körper aufgrund der sich wandelnden Umwelteinflüsse zu dem wurde, was er heute ist – und warum das nicht perfekt ist.

Ob Rückenschmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Übergewicht – die meisten unserer heutigen Gebrechen lassen sich auf unser bequemes "Leben zwischen Fahrstuhl und Sitzgruppe" und den "zuckersüßen Flutwellen" unserer Nahrung zurückführen. Mit interessanten Beispielen, vielen Alltagstipps und meist sehr einleuchtender Argumentation regt dieses Buch zu einer gesünderen und körpergerechteren Lebensführung an, ohne ständig den mahnenden Zeigefinger zu heben.

Und wer hat sich nicht schon einmal gefragt, warum wir einen Blinddarm besitzen, warum schwangere Frauen so verwirrende Essgewohnheiten haben, oder warum Männer eine Glatze bekommen. Antworten auf diese und zahlreiche andere Fragen gibt "die Steinzeit steckt uns in den Knochen" auf treffende und verständliche Art und Weise – weniger treffend sind allerdings die Illustrationen des Buches, die in den meisten Fällen weder witzig noch informativ sind und in der nächsten Ausgabe gerne einer Maßnahme zum Tintensparen geopfert werden dürfen.

Dass es noch zu einigen neuen Auflagen dieses Werkes kommt, bleibt zu hoffen; denn es gehört zu der Art gelungener und lehrreicher Sachbüchern, bei denen wirklich etwas hängen bleibt. Und obwohl man sicherlich nicht jede Ansicht der Autoren teilt, mindert dies das Lesevergnügen nicht im Geringsten. Es regt im Gegenteil dazu an, selbst einmal im Sinne der "evolutionären Medizin" darüber nachzudenken, wie man unseren ursprünglich an Savannenmärsche und karge Kost gewöhnten Körper möglichst gesund durch die moderne Welt bringt.