Comedians gelten nicht gerade als Menschen von intellektuellem Format. Viele von ihnen sind in den Programmsümpfen des Unterschichtfernsehens bekannt geworden. Nun füllen sie die Hallen mit voremanzipatorischen Geschichten zum Thema Männer und Frauen. Wer das Abitur geschafft hat, geht höchstens hin, wenn er sich unter Niveau amüsieren will.

Aber vielleicht entgeht einem da was? Schließlich scheint sich halb Deutschland bei Mario Barth & Co. prächtig auf die Schenkel zu schlagen. Ein Comedian für die gebildeten Stände tut not. Auf also zu Vince Ebert, der sich altmodisch Kabarettist nennt, bei der ARD Wissenssendungen moderiert und auf der Bühne als Diplomphysiker Witz mit Wissenschaft zu verbinden verspricht.

Sein neues Programm heißt "Evolution", und er gastiert damit bis Anfang 2015 in Theatern, Kulturzentren und Mehrzweckhallen. Letztere haben – mit einer typischen Ebert-Pointe – so viel Atmosphäre wie der Mars.

Standesgemäß startet die Vorstellung mit dem Beginn der Welt. Ebert lässt es rumsen und erläutert, dass der Urknall mangels Materie in Wirklichkeit nicht zu hören war. Schnell ist er bei Galaxien und schwarzen Löchern. Letztere erinnern ihn an den Vatikan: Nichts dringt nach außen und innen steht die Zeit still. Schon bald hat er die Abteilung Astrophysik durcheilt und landet in der publikumsnäheren Biologie.

Da geht es etwa um den ungeheuer langen Penis der argentinischen Ruderente. Den zeigt Ebert sogar in Aktion. Für solche Highlights hat er einen großen, eigens angefertigten Touch-Bildschirm mitgebracht, anstelle der bei Wissenschaftlern üblichen Tafel. Mit Hilfe dieses Geräts präsentiert er auch Bakterien, die den menschlichen Darm besiedeln – zusammen sind sie doppelt so schwer wie das Gehirn! Besonders geeignet, um von einem Comedian aufgespießt zu werden, sind natürlich die Fehler der Evolution. Zwar gibt es die Nieren doppelt – wenn eine ausfällt, arbeitet die andere weiter. Aber das Gehirn gibt es nur einmal. Wenn dieses ausfällt, "arbeitest Du bei RTL II".

Die Gags sind nicht brillant, aber durchaus witzig. Wer sich von der Bezeichnung "Kabarettist" jedoch verspricht, Ebert würde die Wissenschaft aufs Korn nehmen wie einstmals Dieter Hildebrandt die Politik, erwartet zu viel. Wissenschaft liefert hier einfach den Rahmen für Witze über den Musikantenstadl (ist er mit der Evolutionslehre vereinbar?), Versicherungsvertreter, das kärgliche Sexleben von Physikern und natürlich überhaupt über das Verhältnis der Geschlechter. Die größten Überschneidungen hat das Programm vielleicht mit dem Komödien-Dauerhit "Caveman", in dem ein vor die Tür gesetzter Mann mithilfe eines Vorfahrs aus der Steinzeit über die Vereinbarkeit von Mann und Frau philosophiert. Aber wie Ebert beiläufig erwähnt, laufen Programme über Männer und Frauen nun mal "wesentlich besser als Programme über partielle Differenzialgleichungen". Da hat er auch wieder Recht.