Die DVD enthält eine professionell gemachte Dokumentation über Fragen der Hirnforschung. Interviews mit zahlreichen Experten – darunter die Neurowissenschaftler John-Dylan Haynes und Volker Sturm, der nobelpreisgekrönte Biochemiker Thomas Südhof und die Philosophen Brigitte Falkenburg und Thomas Fuchs – wechseln sich ab mit illustrierenden Szenen und Animationen über die Arbeitsweise des Gehirns. Von den Grundlagen der neuronalen Verarbeitung bis hin zu den Problemen der Willensfreiheit und den Wurzeln des Ich-Bewusstseins deckt die knapp einstündige Doku viele spannende Aspekte ab. Das Ganze erinnert hinsichtlich der Optik und der unterlegten Musik an die vom Privatfernsehen bekannten Mystery-Formate der Populärwissenschaft.

Von Beginn an stehen vor allem die Grenzen der Wissenschaft im Mittelpunkt. Wie man es von einem "Institut für Glaube und Wissenschaft", das die Doku produziert hat, wohl nicht anders erwarten darf, weist die Kommentarstimme aus dem Off immer wieder darauf hin, dass die Hirnforschung nicht "alles" erklären könne. Ihre Methoden und Theorien seien lückenhaft und Personen in ihrem sozialen Gefüge nicht auf die Aktivität von Hirnarealen reduzierbar.

Munkeln und mutmaßen

Alles gut und richtig. Jedoch schlägt die berechtigte Skepsis mit zunehmender Filmlänge immer mehr in die Behauptung um, da sei eben "noch mehr". Wenn beispielsweise im Zusammenhang mit Nahtoderfahrungen geschildert wird, dass eine Patientin im Geiste über das Krankenhaus flog, in dem sie operiert wurde, und auf dem Dach des Gebäudes einen roten Turnschuh erblickte – und, oh Wunder, genau so ein Schuh fand sich später dort oben! Oder wenn es heißt, das Erzeugen spiritueller Gefühle durch die elektrische Stimulation bestimmter Hirnregionen widerlege nicht die "Realität Gottes". Oder wenn die Zuschauer erfahren, das Rätsel Bewusstsein werde sich niemals lösen lassen, ohne dass die Doku so recht klarmacht, worin genau das Problem besteht und was eine eventuelle Lösung wäre.

Sicherlich wissen Hirnforscher vieles, vermutlich sogar das meiste nicht. Und sie verzichten bewusst auf Vorannahmen, die man zur Erklärung natürlicher Phänomene nicht benötigt. Doch daraus umgekehrt einen Beweis für die Existenz von etwas zu stricken, das über die Gesetze der Naturwissenschaft hinausgehe, ist genauso wenig zulässig. Wissenschaftstheoretiker formulieren das so: "Die Nicht-Existenz von Evidenz ist keine Evidenz für die Existenz von etwas." Über diesen Satz hätten die Macher der Dokumentation ruhig etwas länger nachdenken können.