Weshalb stellen Elektronikmärkte einen Flachbildfernseher für sündhaft teure 10 000 Euro aus, obwohl nur sehr wenige Kunden das Gerät kaufen? Wieso erscheint uns ein Rabatt auf ein überteuertes Produkt als besseres Geschäft als ein Aufschlag auf einen niedrigeren Preis? Und warum neigen wir dazu, eine Aktie, mit der wir kräftig Gewinn gemacht haben, zu verkaufen, während wir die Verlustbringer im Depot behalten?

Diese Fragen stellt und beantwortet Hanno Beck, der seit sechs Jahren an der Hochschule Pforzheim Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspolitik lehrt. Beck befasst sich mit der so genannten Verhaltensökonomik, die derzeit durch die Finanzkrise eine wachsende Aufmerksamkeit erfährt. Die Disziplin stellt die Voraussetzungen der traditionellen Ökonomie in Frage, nämlich dass der Homo oeconomicus rationale Entscheidungen trifft, um seinen persönlichen Nutzen zu mehren.

In Wirklichkeit sei unser Gehirn für den Umgang mit Kurseinbrüchen und Spekulationsblasen nicht gemacht. Deshalb ließen wir uns von Rabattaktionen täuschen, hielten uns für klüger, als wir sind, und versuchten, ein Verlustgeschäft mit noch mehr Geld zu kompensieren, anstatt zu akzeptieren, dass wir uns verspekuliert haben.

Der Autor hat als ehemaliger Finanzredakteur bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gelernt, amüsant und kurzweilig zu erzählen. Er versteht es, sozialpsychologische Experimente pointiert zu schildern und deren Ergebnisse mit dem Alltagsleben zu verknüpfen. Mehr als einmal fühlt sich der Leser bei der Lektüre ertappt, weil er dem geschilderten Phänomen selbst schon einmal erlegen ist und etwa eine geschenkte Eintrittskarte eher verfallen ließ als eine selbst gekaufte.

Beck gibt eine gut gelungene Einführung in die Verhaltensökonomik. Wer sich allerdings schon ein wenig mit diesem Zweig der Volkswirtschaftslehre auskennt, wird in dem Buch wenig Neues entdecken. Das gilt besonders für jene, die den jüngsten Bestseller "Schnelles Denken, langsames Denken" des Wirtschaftsnobel-preisträgers Daniel Kahneman gelesen haben, eines der Begründer der Verhaltensökonomik.

Übrigens, der Preis von 10 000 Euro für einen Flachbildfernseher dient als so genannter Anker. Er soll den Kunden denken lassen: So teuer können die Geräte sein, da habe ich mit meinem für 3000 Euro ja noch ein Schnäppchen gemacht!