Als letzter Germanenstamm der Völkerwanderungszeit zogen die Langobarden aus, um in der Ferne ein neues Reich zu gründen.

"Wer sind diese Langbärte?", fragte Wotan, als er aus dem Fenster schaute. Es waren die Frauen eines germanischen Stammes, die ihre Haare wie einen Bart in das Gesicht hängen ließen. So wollten sie den Blick des Kriegsgottes vor der Schlacht auf sich lenken und ihn gnädig stimmen. Fortan nannte sich der Stamm Langobarden – so berichtet es die Legende.

"Wer sind diese Langbärte?", fragt auch Karin Priester und zeichnet die Geschichte dieses Stammes nach, die im Hamburger Raum beginnt und mit dem Untergang des langobardischen Reichs im Jahre 774 in Italien endet. Daneben widmet sich die Autorin umfassend verschiedenen Einzelaspekten der Gesellschaft und Kultur des germanischen Stammes.

Priesters wichtigster Gewährsmann ist Paulus Diaconus, der vor über 1200 Jahren eine Chronik seines Volkes verfasste. Die Archäologie spielt im Buch der Professorin aus Münster nur eine Nebenrolle. Doch könnte gerade diese jene Zeiten besser erhellen, in denen Schriftquellen nur spärlich sprudeln: die 400 Jahre nach Christi Geburt, als das germanische Volk an der Niederelbe lebte. Leider widmet die Autorin dieser Epoche nur ganze zehn Seiten.

Priesters Kernaussage lautet, dass es unter den Langobarden einen ökonomischen und gesellschaftlichen Aufstieg Italiens gegeben habe. Doch an dieser Aussage kommen Zweifel auf, denn typisch sind eher Szenen, die für Gemetzel, Plünderungen und Chaos stehen: Während eines Zechgelages etwa wird Rosamunde auf Weisung ihres Mannes, des Königs Alboin, der Schädelbecher gereicht, den er aus dem Haupt ihres Vaters fertigen ließ. Alboin hatte Rosamundes Vater in der Schlacht getötet. Aus dem Affront entwickelt sich schließlich ein Rattenschwanz von Mordkomplotten. Statt an die These von einem ökonomischen und gesellschaftlichen Aufstieg glaubt man eher, das neue Drehbuch von Quentin Tarantino in den Händen zu halten.

Priester bietet einen guten Überblick über die Geschichte dieses Stammes. Doch eines wird der Leser schmerzlich vermissen: Eine ordnende Zeitleiste, um sich in dem Chaos, das durch ständige Gemetzel und Herrschaftswechsel verursacht wird, zurechtzufinden. Und wären nur einige Karten mehr im Buch, so könnte man auch geografisch eintauchen in die spannende Geschichte der Langobarden.