Nach wie vor steht die ökonomische Entfaltung unserer Gesellschaft vor der ökologischen Nachhaltigkeit dieser Entwicklung. Von einer Synthese beider Komplexe, und damit einer Minimierung der resultierenden Risiken, sind wir trotz eines gesteigerten Problembewusstseins so weit entfernt wie eh und je. Mit entsprechenden Lösungsansätzen beschäftigt sich unter anderem die Geoökologie. Leider akzeptieren viele Studierende und Arbeitgeber dieses wichtige Studienfach derzeit noch kaum – das Berufsbild "Geoökologe/Geoökologin" erscheint wohl zu unscharf. Das liegt vor allem daran, dass dieser junge Forschungszweig noch auf der Suche nach eigenen Strategien, Methoden und einer einheitlichen Fachsprache ist. Das ist wiederum Folge der ungewöhnlich ausgeprägten Interdisziplinarität des Fachs: Es bewegt sich zwischen den naturwissenschaftlichen Basisfächern Mathematik, Biologie, Chemie und Physik, den Raum-, Geo-, Rechts- und Sozialwissenschaften sowie der Volkswirtschaftslehre. Erst mit diesem ganzheitlichen Ansatz lassen sich umfassende Antworten auf lokale und globale Umweltprobleme finden. Die Autoren von "Grundlagen der Geoökologie" haben sich zum Ziel gesetzt, den Mangel an Lehrbüchern im Bereich Geoökologie zu beheben und dem Studiengang das Profil zu geben, das er nach außen hin benötigt. Ihr Buch richtet sich in erster Linie an Studierende umweltrelevanter Fächer. Den geoökologischen Fragestellungen nähert sich das Werk auf mathematischem Wege — zum einen, da die Mathematik als vermittelnde Sprache zwischen den Einzeldisziplinen dient, zum anderen, weil sie die Grundlage für realitätsabbildende Modelle ist. Nach einer gut verständlichen Einleitung liefern die Autoren in den drei Folgekapiteln tiefe Einblicke in diese Problemkreise: Was ist ein Geosystem? Wie entsteht es, und wie entwickelt es sich? Wie kann die Komplexität der Wirklichkeit durch ein mathematisches Modell abgebildet werden? Nachdem die Grundlagen gelegt sind, erläutern zwei weitere Abschnitte je einen aktuellen Anwendungsbereich geoökologischer Forschung: geographische Informationssysteme (GIS) und Bionik. GIS dienen nicht nur zur Sammlung raumbezogener Daten, sondern auch zu ihrer Modellierung und Visualisierung. Die Bionik (Wortverschmelzung aus "Biologie" und "Technik") beschäftigt sich mit der Nachahmung von Konstruktionen, Verfahren und Informationsformen, die in der biologischen Welt auf evolutionärem Weg entstanden sind. So wurde etwa der Wuchs von Bäumen für den Brückenbau adaptiert oder in den Materialwissenschaften die Haut von Haien imitiert, um den Reibungswiderstand unter Wasser herabzusetzen. Oswald Blumenstein und seine Koautoren haben ein ordentliches, anspruchsvolles Lehrbuch für ein neues, wichtiges Studienfach verfasst. Schade, aber nicht tragisch: Das Buch wirkt durch seine Aufmachung etwas verstaubt. Schade und wirklich tragisch: Das Nachschlageregister ist leider deutlich zu mager ausgefallen.